Montag, 26. Dezember 2016

Tödliche Kässpätzle ***







































Stolz kann ich den Genuss von über 250 Portionen meines Lieblingsgerichtes verkünden, ohne gravierende Schäden an Leib oder Seele erlitten zu haben. Doch das ist nicht jedem vergönnt.

Der Oberschwaben-Krimi Kässpätzlesexitus lässt schon vom Titel her gastronomisches Ungemach erahnen, auch wenn das Buch-Cover noch appetitliche Gelüste hervorrufen mag. Im nunmehr fünften Band der Serie um den Hobby-Ermittler Daniel Bönle (nicht nur phonetisch ein Alter Ego des Saulgauer Autors Michael Boenke) geht es heiß her: Sechs illustre Mannschaften treten zum „Zweiten Traditionellen Königseggwalder Kässpätzlewettessen“ an. Darunter die Motorrad-Gang MIKEBOSS, die ihr jüngst verstorbenes Mitglied Butzi durch den ulkig schwäbelnden kenianischen Dorfpfarrer Deodonatus "Deo" Ngumbo ersetzt hat. Auch die Mitbewerberinnen der „Busty Biker Brides“ führen eine Nachbesetzung durch: aus der  Ersatzbank springt Chantal „Schanti“ Heberle ein, deren offenkundige Bulimie als beste Kampfesvoraussetzung gehandelt wird.

Als erst Schanti während des Kässpätzle-Wettessens erstickt und am Tag darauf die resolute Köchin Berta tot im Pasteurschrank der WalderBräu Brauerei aufgefunden wird, kann nicht mehr von unglücklichen Zufällen gesprochen werden. Anlass genug für verquere Verschwörungstheorien und dummes Dorfgetratsche. Bis schließlich ein Täter gefunden wird, muss dann noch sehr viel Bier, Benzin und „Birnenplörre“ fließen – und das gesamte schrullige Personal der Riedprovinz seinen Einsatz haben: angefangen vom stets volltrunkenen „Flaschen-Gordon“ bis zum gescheiterten Informatikstudenten „Kurzschluss-Kurte“.

Der Autor Michael Boenke scheut in diesem Roman weder offenkundiges Product Placement noch unverbrämtes Lokalkolorit (im wahrsten Wortsinne). Inwieweit der Krimi auch als Oberschwaben-Gastroführer verwendet werden kann, wird noch angetestet. Der Saulgauer Bohnenstengel stand auf jeden Fall schon lang auf meiner Wunschliste!

Michael Boenke: Kässpätzlesexitus.
Meßkirch: Gmeiner, 2015. 277 Seiten.
ISBN 978-3-8392-1662-0
14,99 Euro

Freitag, 25. November 2016

Nemme normal ****

















Beträchtlich die Zahl meiner Vorkoster, Tippgeber und affiliierter Spätzle-Acifionados. Manche Empfehlungen dümpeln tatsächlich bis zur Umsetzung einige Jahre dahin, doch gut abgehangen schmeckt selbst meine Leibspeise um so besser.

Zum Spätzleschwob entführt mich ein langjähriger Mitesser, dem ich regelmäßig mein Dessert im Tausch gegen habhaftere Speisenbestandteile angeboten habe. Aber in dieser urschwäbischen Wirtschaft bleibt heute jeder auf seinem Teller. Keine Schwierigkeit bei der Vielfalt verlockender Angebote zwischen Apfelstrudel und Zwiebelrostbraten.

Menge: selbst bei grossem Appetit vollkommen ausreichend
Spätzle: die als "Nemme normal" titulierten Chili-Spätzle dürften östlich von Mexiko absoluten Seltenheitswert haben
Käse: eine Mischung aus Emmentaler, Gouda und Bergkäse in geheim gehaltener Mixtur
Zwiebeln: die sind Nebensache angesichts einer imposant hochgereckten Peperoni
Viskosität: außen herrlich kross wie ein gut angebratenes Omelette, innen flaumig und weich
Beilage: grüne Blattsalate mit einer unverzichtbaren Alibi-Cocktailtomate
Zubereitungszeit: der Koch überschlägt sich selbst: obwohl die Küche erst um 17:30 öffnet, steht schon eine Viertelstunde später unser bestelltes Essen auf dem Tisch
Abgang: wohlig und wonnig - möglicherweise auch aufgrund eines digestiven Nussler von der Schwarzwaldbrennerei Scheibel
Preis: 11,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hoher Exotismus- und Prominenten-Faktor (am Nebentisch palavert tatsächlich Joe Bauer mit einem Flaneurskollegen). Charmanter Service. Volles Haus. Einzigartige Kässpätzle-Interpretation.

Lokalität: Zum Spätzleschwob
Vogelsangstrasse 50
70197 Stuttgart
Tel. 0711/636 31 89
E-Mail: info@zumspaetzleschwob.de

Montag, 14. November 2016

Heimat schmeckt schlonzig ***





Wie nahe Heim und Heimat beisammen liegen, lässt sich auf dem Stuttgarter Messeherbst derzeit mit Genuss erleben. Als ausgewiesenes Highlight der Messe "Familie und Heim" (12.11. - 20.11.2016) kann  zweifelsohne der Sonderbereich "Biosphärengebiet Schwäbische Alb" in Halle 8 gelten.

Neben touristischen Infos und einem ausgebauten Schäferwagen vom Hofgut Hopfenburg locken lukullische Spezialitäten von der Alb. So bietet der Münsinger Gasthof zum Ochsen leckere regionale Gerichte wie Linseneintopf von Ableisa, einen Hackfleischspieß im Albweizenweckle und sogar  Käsespätzle an. Alle Speisen werden vor den Augen des Publikums - sehr transparent und sympathisch freimütig - zubereitet. Das Essen können die Gäste dann im Biergarten-Flair geniessen, rund um den nachemfundenen Münsinger Dorfbrunnen in Halle 8.

Menge: mehr als ein Appetizer - diese Portion macht pappsatt
Spätzle: Knöpfle von Tress
Käse: eine erfolgreiche Trilogie von Bergkäse, Butterkäse und Emmentaler
Zwiebeln: crispy Röstzwiebeln
Viskosität: homogen schlonzig
Beilage: in den Messehallen keine - daheim in Münsingen steht jedoch fest: selbstverständlich werden die Käsespätzle mit einem Beilagensalat serviert!
Zubereitungszeit: dank geschickter Vorbereitung ratzfatz
Abgang: die rezente Würzigkeit des Bergkäses fordert ihren Tribut: glücklicherweise wird der Nachbarstand von der Ehinger Bergbrauerei bespielt
Preis: 5,00 Euro (auf der Messe) bzw. 9,50 Euro inklusive Beilagensalat (im Lokal in Münsigen)
Bewertung: Dem überaus engagierten, kundenorientierten Team ist die Freude am Kochen und an regionalen Produkten sichtlich anzumerken. In der mobilen Messeküche werden grundsolide regionale Speisen zu günstigen Preisen gezaubert. Das macht spontan Lust auf einen baldigen Besuch in Münsingen!

Lokalität: Gasthof zum Ochsen
Franzke Gastronomie
Hauptstrasse 196
72525 Münsingen-Auingen
Tel. 07381/93040
E-Mail: info@franzke-gastronomie.de

Auf der Stuttgarter Messe:
Messe "Familie& Heim"
Halle 8, Stand RNA
12.11. - 20.11.2016
täglich von 10 - 18 Uhr

Samstag, 15. Oktober 2016

München ist ein Bauchgefühl ****


















Jubiläum! Zu diesem besonderen Anlass scheuen wir weder Anfahrt noch Aufwand, weder Kosten noch Anreise. 250 verschiedene Kässpätzle-Portionen innerhalb von 7 Jahren - und das ohne ernsthafte Spätfolgen (naja, wenigstens keine weithin sichtbaren) - können als veritalbe Leistung gelten!

Prominent gegenüber des Hauptbahnhofes gelegen, erfülen die Münchner Stubn erfolgreich alle Kriterien, die sich ein auswärtiger Tourist für ein zünfiges bayrisches Wirtshaus ausmalt: uriges Interieur, trachtengewandete Servicekräfte und ein derart volles Haus, dass sich die drängenden Warteschlagen am Eingang bis zur Straße hinaus stauen. Drinnen finden interkulturelle Verbrüderungen bei kiloschweren Bierhumpen und fettglänzenden Bratwürsteln statt. Wenn das mal kein würdiges Szenario für diese Jubiläumsfeier abgibt!

Menge: selbst die extra erbetene kleine Portion ist kaum zu bewältigen
Spätzle: satte, fette, wohlgenährte Knöpfle
Käse: im Zweier-Mix steckt auf jeden Fall ein kräftiger Bergkäse
Zwiebeln: hausgemachte Röstzwiebeln mit extrem knackigem Biss
Viskosität: von sahnig-reichhaltiger Fülle
Beilage: offiziell keine, auf meinen Wunsch hin eine kleine Salatschüssel (die sich als üppig erweist) mit allem, was der Garten hergibt: spiralisierte Möhren und Rettich,  Gurken- und Tomatenscheiben, feine Zwiebelringe und einen herrlich schlonzigen Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: geschätzte 20 Minuten
Abgang: mächtig sättigend
Preis: 8,90 Euro (kleine Portion) / 11,90 Euro (normale Portion) + 5,20 für den gemischen Salat
Bewertung: Einer der Slogans des Restaurants trifft es auf den Punkt: "München ist ein Bauchgefühl"!!  So massig, so reichhaltig, so beeindruckend kräftig und deftig ist mir mein Leibgericht lange nicht mehr  serviert worden. Untergemengter Schnittlauch sorgt für die richtige Prise an Rafinesse.

Lokalität: Münchner Stubn
Bayerstrasse 35- 37
80335 München
Tel.: +49 89 / 55 11 13 330
E-Mail: servus@muenchner-stubn.de

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Mehr Ambiente als Aroma ***

 
















Das derzeitge Lichtkunstfestival verleitet zum Besuch von Orten, in die man sich sonst wohl kaum verirren würde - wie zum Beispiel Gerlingen. In der Dunkelheit leuchtet die örtliche Weinstube im Wengert verlockend wie ein Knusperhäuschen. Tatsächlich ist das uralte Fachwerkhaus liebevoll restauriert, geschmackvoll ausstaffiert und dezent illuminiert.

Gastraum und Küche sind eins, so dass man mitten im Gebrutzel und dem Gelärme sitzt, leider auch in dessen Gerüchen. Die Speisekarte weist hauptsächlich schwäbische Gerichte auf, die erstaunlich schnell und mit professioneller Routine auf den Tisch gebracht werden. Trotz des urigen Ambientes beschleicht uns das vage Gefühl eines latenten Mangels.


Menge: fast alle Speisen können in zweierlei Größen geordert werden; meine kleine Portion ist leider relativ überschaubar
Spätzle: habhaft und vollschlank
Käse: laut Aussage des Hauses Bergkäse, den wir jedoch deutlich aromatischer kennen
Zwiebeln: fielen uns gar nicht auf
Viskosität: ziemlich smooth
Beilage:der großzügige Beilagensalat mit allem Drum und Dran wird von reichlich frischer Kresse gekrönt - leider entspricht d bei der Kartoffelsalat nicht im ehesten den Erwartungen an den schwäbischen Klassiker: zu hart, zu unschlonzig, zu wenig Brühe (wenn überhaupt)
Zubereitungszeit: eine relativ kurze Viertelstunde, da wir noch die ersten Gäste des Abends sind
Abgang: leicht und rasch verflogen
Preis: günstige 7,50 Euro für die kleine Portion (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Das urige Ambiente und die freundliche Präsentation der Speisen täuschen erfolgreich über mangelndes Aroma hinweg.

Lokalität: Weinstube im Wengert
Hauptstr. 41
70839 Gerlingen
Tel.: (07156) 280 11

Freitag, 23. September 2016

Götterdämmerung *

















Wieso sollte man Hunderte von Kilometern im Stau stecken, in fremde Bundesländer vordringen und das Mühsal anstrengender Reisen auf sich nehmen, wenn man zünftiges Bayern-Feeling direkt vor der Haustüre haben kann? Quasi ein ganzjähriges Oktoberfest? Und das noch verbunden mit einem herzergreifenden Blick auf den Rhein und die vorübergleitenden Schiffe?

Dachte man sich wohl im malerischen Ort Götterswickerhamm. Zimmerte eine urige Holzhütte neben die Minigolfanlage der Rheinwacht, verzichtete auf Küche und Toiletten und steckte das Service-Personal in dirndelige Outfits.

Menge: passt in einen hohlen Zahn
Spätzle: die größte Leistung war wohl, eine Tüte Fertigspätzle aufzuschneiden
Käse: sieht nach einer kaum geschmolzenen Scheibe Scheiblettenkäse aus
Zwiebeln: was die Karte experimentell als Schmorzwiebeln ausweist, entpuppt sich als sauerkrautige Anmutung
Viskosität: so trocken und unhandlich, dass uns die lauwarmen Fertigspätzle permanent von der Gabel purzeln
Beilage: der Beilagensalat glänzt als einziger Bestandteil dieses Gerichts mit rudimentärem Geschmack: dank des zuckrigen Salatdressings und der Tomatenviertel, die keinen weiten Anfahrtsweg aus Holland hatten
Zubereitungszeit: so kurz, dass nicht mal die Mikrowelle aufheizen konnte
Abgang: denselbigen machen wir möglichst zügig
Preis: geradezu unverschämte 9,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Wohl die schlechtesten Kässpätzle seit der Geschichtsschreibung dieses Blogs. Auf jeden Fall die schlechtesten westlich des Sauerlandes. Den einzigen Stern vergeben wir gnädig aufgrund des sensationellen Ausblicks auf den Rhein.

Lokalität: Rheinwacht
Urweisse-Hütte
Dammstr. 46
46562 Voerde
Telefon: 02855 30 61 63
E-Mail: info@rheinwacht.com

Samstag, 17. September 2016

Alte Bekannte, neue Kombinationen **

















Alle Jahre wieder: der Tag des Schwäbischen Waldes. Schon in der Vergangenheit lockte uns dieser willkommene Anlass zu den einen oder anderen (oder noch ganz anderen) Kässpätzle-Variationen. Letztendlich auch mal wieder zu einem Gewinn.

Dieses Mal trauen wir uns nicht nach Trauzenbach, dafür schmausen wir in Hohenbrach. Hier fühlen wir uns fast schon zuhause, denn familiäre Querverweise führen zu den erstaunlichsten Verquickungen. Wenn wir es recht bedenken, sind wir wahrscheinlich alle irgendwie miteinander verwandt...


Menge: auch wenn man es erst nicht glauben mag: diese Portion hat es in sich!
Spätzle: obwohl wir diese makellosen Teigwaren eher der Firma Albgold zugeschrieben hätten, benennt die Partonin ihren Ehemann Bernd als alleinigen Erzeuger (mit einem Dutzend Eier auf einem Kilogramm Mehl).

Käse: Gouda mit Parmesan
Zwiebeln: eher in Spurenelementen vorhanden
Viskosität: geschmeidig
Beilage: der Beilagensalat kommt gefällig mit Blattsalaten, Möhre, Kraut und einer Cocktailtomate daher
Zubereitungszeit: irgendwann zwischen der Bestellung am frühen Nachmittag und dem termingerechten Auftragen am frühen Abend
Abgang: meine Neigung, stets den Teller leer zu essen, wird mir zum Verhängnis...
Preis: 8,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Alte Bekannte (die Alibi-Cocktailtomate) treffen auf neue Kombinationen (der seltene Mix aus Gouda und Parmesan ist uns in den vergangenen 7 Jahren erst ein einziges Mal begegnet).

Lokalität: Gasthof Pension Tannenhof
Hohenbrach 23
71577  Großerlach-Hohenbrach
Tel.  07903/ 571
E-Mail: muellertannenhof@t-online.de 

Dienstag, 6. September 2016

Pfännle, Park und Pflücksalat ***


















Von vergangenen Urlauben schwärmend und über die anstehende Obsternte grübelnd, sitzen wir im familiären Kreise beisammen und lassen uns genüsslich die ganze Bandbreite der hiesigen Kulinaria auftischen: leichten Fisch, deftiges Fleisch und unweigerlich Vegetarisches. Entspannter könnte ein Abend kaum verlaufen...

So relaxed, dass wir fast das Ende der Öffnungszeiten aus den Augen verlieren. Kaum daheim, sinken wir satt und zufrieden sofort ins Bett.

Menge: so viel, wie in ein gusseisernes Pfännle passt
Spätzle: wohlgeformt
Käse: ein Küchengeheimnis - der freundliche Ober verrät jedoch, dass wohl ein Greyezer mit im Spiel ist
Zwiebeln: knusprig frittierte Zwiebelstreifen als Topping
Viskosität: angenehm soft
Beilage: ein vielfältiger Beilagensalat mit leichten Blatt- und Pflücksalaten, feinen Gurkenscheiben, rezentem Kartoffelsalat und Tomaten-Deko
Zubereitungszeit: die kaum wahrgenommene Wartezeit wird mit gemischten Hors d´Oeuvres ganz angenehm verkürzt: feine Leberpastete, frische Shrimps, gebratene Aubergine und knackige Paprikastreifen
Abgang: würzig und einen leichten nächtlichen Durst erzeugend

Preis: 9,50 Euro (inklusive gemischtem Beilagensalat)
Bewertung: Klassische Variante, im brutzelnd heissem Pfännle serviert - ganz, wie ich es mag!

Lokalität: Parkrestaurant
Schillerstraße 23/2
71065 Sindelfingen
Tel. +49 (0) 70 31 / 81 24 09

Email : info@parkrestaurant-sindelfingen.de

Freitag, 2. September 2016

Mit Leib und Seele gekocht ****

















Fast kann es schon als Faustregel gelten: je näher man ans Allgäu oder an den Vorarlberg heranrückt, desto schmackhafter und bodenständiger werden die Kässpätzle. Nachdem unser letzter gastronomischer Ausflug nach Ravensburg allerdings recht enttäuschend ausfiel, werden wir nun auf ganzer Linie wieder versöhnt.

Das erst kürzlich sanierte Wirtshaus Mohren am oberen Ende der Marktgasse glänzt mit herzhaft-kreativer Küche und freundlichem Ambiente vor historischer Kulisse. Dass wir zur besten Kaffee-und-Kuchen-Zeit Lust auf ein gediegenes Mittagessen verspüren, ist hier gar kein Problem. Verschiedene Portionsgrößen und Beilagenvariationen erleichtern die Entscheidung.

Menge: zwei Portionsgrößen stehen zur Auswahl - mir reicht die kleine Portion mit einem extra Beilagensalat vollkommen aus
Spätzle: handfeste handgeschabte Knöpfle, mit fein geschnittenen Paprika- und Lauchteilchen garniert
Käse: Allgäuer Bergkäse pur
Zwiebeln: höchst aromatische, in Mehl gewendete und im Fett ausgebackene Zwiebelringe (köstlich!)
Viskosität: fest und kompakt
Beilage: von Haus aus leider keine, was wir grundsätzlich bedauern. Der extra dazu bestellte kleine Marktsalat überrascht unter anderem mit fein gestiftelter grüner und gelber Zucchini, wohingegen uns der Kartoffelsalat zu trocken und zu fest erschien
Zubereitungszeit: eine geschätzte Viertelstunde
Abgang: Lukullus im Glück!
Preis: 6,50 Euro (für die kleine Portion) plus 3,90 Euro (für einen kleinen Marktsalat als Beilage)
Bewertung: Vollmundig, frisch und kreativ kommen diese Kässpätzle daher, die mit reichlich Bergkäse zugleich sättigen und entzücken.

Lokalität: Wirtshaus Mohren
Marktstrasse 61
8212 Ravensburg
Tel. 0751-18054310
E-Mail: info@mohren-ravensburg.de

Sonntag, 21. August 2016

Regional // Saisonal // Emotional // Echt ***

















Allerliebst beschwört die Sudpfanne auf ihrer Homepage das legendäre Heidelberger Altstadtflair herauf. Bei leichtem Nieselregen an einem Sonntagnachmittag zur besten Sommerferienzeit werden wir jedoch sehr unliebsam von der schnöden Realität überholt. Will heissen: der Kampf um einen freien Sitzplatz verlangt rücksichtslosen Einsatz aller Körperkräfte.

Das kurze Gerangel hat sich gelohnt. Danach hocken wir gemütlich in der muggeligen Schankstube und schaufeln beachtliche Mengen deftiger Hausmannskost in uns hinein. Davon können die armen asiatischen Touristen draussen vor der Tür nur träumen.

Menge: diese Opulenz setzt selbst einen ausgiebigem Esser wie mich schachmatt - schweren Herzens   muss ich einen kleinen Rest zurückgehen lassen
Spätzle: nach der Herkunft befragt, nuschelt die Servicekraft irgendetwas zwischen Bürger und Birkel
Käse: ein rustikaler Mix aus Bergkäse und Emmentaler
Zwiebeln: massenhaft angedünstete Zwiebeln
Viskosität: geschmeidig und elastisch
Beilage: auf demselben Teller wird ein ausgewogenes Salatbouquet (Blattsalate, Blaukraut, Weißkraut, Gurke, Karotte und ein flau schmeckendes Tomatenachtel) mit angerichtet
Zubereitungszeit: etwa 25 Minuten
Abgang: ziemlich blähend, trotz eines doppelten Ricard
Preis: 10,80 Euro (inklusive Salatbeilage)
Bewertung: Gefällige, grundsolide und überaus schmackhafte Kässpätzle, zu deren Verdauung sich jedoch ein doppelter Digestif empfiehlt.

PS
Auch dieser Posttitel ist der Restaurants-Homepage entlehnt. Danke.

Lokalität: Sudpfanne
Hauptstrasse 221-223
69117 Heidelberg
Telefon +49 6221 - 163636
E-Mai: info@sudpfanne-heidelberg.de

Sonntag, 14. August 2016

Gar nicht fad, nach dem Lotharpfad ***

















Nicht nur Adel verpflichtet. So besuche ich Lothar (den Pfad) mit Lothar (meinem Mann) - quasi als verspätetes Geburtstagsgeschenk. So viel umgestürzte Bäume, überquellende Heidelbeerbüsche und eindrucksvolle Wälder machen gehörig Hunger. Doch am Sturmwurferlebnispfad gibt es weder Imbissbuden noch Toilettenhäuschen. Gut so.

Der proppevolle Freizeitbus F2 bringt uns nach sensationellen Schlenkern über Mummelsee und Alexanderschanze zurück zum bodenständigen Freudenstadt. Müde und etwas schwindlig stolpern wir ins bahnhofsnahe Waagstadl, das mit günstigen Preise und balkanesker Küche lockt. Übermütig bestelle ich ein Gericht mit dem Beinamen "Mickey Mouse" - und werde nicht mal nach meinem Alter gefragt.

Menge: irgendwo zwischen üppiger Kinderportion und gut gemeinten Speisen für den kleinen Hunger
Spätzle: vollschlank und wohlgenährt
Käse: herzhafter Gouda, in Scheiben geschnitten und mit etwas Sahne und Gewürzen verfeinert
Zwiebeln: eher nicht
Viskosität: geschmeidig und dehnbar, mit knusprig angebratenen Stellen
Beilage: in der Micky-Mouse-Version keine; in der XL-Version mit Beilagensalat
Zubereitungszeit: knapp über eine Viertelstunde
Abgang: ergibt zusammen mit einer großen Cola und einem kleinen Ouzo ein harmonisches Konglomerat
Preis: unglaubliche 4,50 Euro
Bewertung: Üppige Portionen, herzhafte Aromen und günstige Preise halten sich die Waage in diesem rustikalen Stadl. Ebenfalls empfehlenswert: Cevapcici satt für 9 Euro. Kommt man zur richtigen Zeit, ist Familienanschluss fast inklusive. Schluss, aus, Mickey Maus.

Lokalität: Waagstadl
Am Stadtbahnhof 1/2
72250 Freudenstadt
Tel. 07441/869349
E-Mail: info@waagstadl.de

Donnerstag, 4. August 2016

Maaahlzeit! **


















Magstadt war bisher gastronomische Terra Incognita für mich - vor allem im Kässpätzle-Sektor.  Da wird es Zeit für Eroberungsfeldzüge!

Wochentags zur Mittagszeit ist das Erbachstüble fest in der Hand von Stammgästen im Seniorenalter und Handwerkern mit Schnitzelhunger und dem Schlachtruf "Maaahlzeit!". So dauert es schon mal etwas länger, ehe wir überhaupt vom Service entdeckt werden. Hier ist Selbstinitiative stark gefragt!

Apropos Service: die Bedienung glänzt eher durch leicht unwirsche Unbeholfenheit, denn durch Professionalität. Aber vielleicht müssen wir uns erst in den Status des Stammgastes hocharbeiten.

Menge: gerade ausreichend
Spätzle: schmeckt sehr nach Fertig-Großpackung aus dem Großmarkt
Käse: meine Frage nach der verwendeten Käsesorte muss ich 2x wiederholen, eh die irritierte Servicedame sie versteht, aber leider nicht beantworten kann. Eine angeratene Nachfrage in der Küche ergibt: Emmentaler und Gouda.
Zwiebeln: das Beste an diesem Gericht - würzig, schlüpfrig, mit leichter Paprikanote und einem Anklang von Bratenfond
Viskosität: schlonzig
Beilage: der gemischte Beilagensalat besteht aus Blattsalaten, etwas Tomate und Paprika, einem leider recht faden Kartoffelsalat und deftigem Krautsalat
Zubereitungszeit: circa 20 Minuten
Abgang: unterschwellig enttäuschend
Preis: 10,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Wer die 10-Euro-Schallgrenze für Kässpätzle durchbricht, sollte schon mit besonderer Qualität oder Kreativität punkten. Stammgäste werden wir wohl nicht.

Lokalität: Erbachstüble
Erbachstraße 27/1
71106 Magstadt
Tel.:  +49 (7159) 42557
E-Mail: info@erbachstueble.de

Mittwoch, 27. Juli 2016

Entschleunigung bei Eugen ****


















Bio, vegan, vegetarisch und glutenfrei - das Eugens überschlägt sich geradezu mit alternativen Speisenangeboten. Wenn es dabei noch köstlich schmeckt und die Location ein angenehmer Ruhepol im sonst umtriebigen Konstanz darstellt, wähne auch ich mich im siebtem Gastronomiehimmel.

Bei Eugen sitzt man mittendrin und doch in einem Kokon der Entschleunigung. Hier findet man genügend Zeit für Genuss, Gespräche oder Chill-out unter südlicher Sonne - und das nur wenige Schritte entfernt von Hafen, Bahnhof und Fußgängerzone.

Menge: als kleine oder große Portion erhältlich (mir reicht ausnahmsweise die kleine!)
Spätzle: hausgemachte Krätuerspätzle
Käse: herzhaft-aromatischer Tiroler Bergkäse
Zwiebeln: breite Zwiebelstreifen, hellblond angeschmälzt
Viskosität: fest und kompakt
Beilage: frische Blattsalate in Olivenöl-Dressing, mit angeröstetem Sesam und Kürbiskernen (oh, lecker!)
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: beglückend, da vollwertig
Preis: 11,50 Euro (inklusive Beilagensalat) für die kleine Portion - 14,00 Euro für die große
Bewertung:  Grundehrliche, würzige, wohlschmeckende Interpretation meiner Leibspeise. Sympathisch: die Wahl zwischen zwei  Portionsgrößen.

Lokalität: Eugens
Münzgasse 1 / Ecke Brotlaube
78462 Konstanz
Tel.: +49 (0) 7531 9768689
E-Mail: info@eugens.bio

Samstag, 23. Juli 2016

Am Hofe hofiert ****

















Nach längerer Abwesenheit zieht es uns wieder nach Langenrain - und gleich am ersten Abend nach Hof Höfen. Ein lauer Sommerabend, das Knirschen des Kieses unter den Biergartenstühlen und ein herrlich  lukullisches Angebot zaubern das perfekte Urlaubsfeeling. Auch der Service ist mehr als gut gelaunt, von der charmanten Jasmin bis zum spaßeshalber fingerhakelnden Patron Hansi Rommel. Hier fühlt man sich als Gast gut aufgehoben und wohlwollend umsorgt.

Menge: eine mächtige Portion, der ich selbst als ausgiebiger Esser nicht gewachsen bin - freundlicherweise wird mir der Rest in ein mikrowellengeeignetes Schüssele verpackt
Spätzle: dünn, schmal und täglich frisch aus der Spätzlespresse vom Haupthaus Kreuz in Dettingen
Käse: herzhafter Berg- und Backsteinkäse
Zwiebeln: fein angeschmelzte Zwiebelstreifen, gleichmäßig untergemengt
Viskosität: angenehm anhaftend
Beilage: unserem allgemeinen Überschwang ist es zu verdanken, dass wir das Fehlen eines Beilagensalates generös tolerieren, ausnahmsweise...
Zubereitungszeit: keine Ahnung
Abgang: deftig und rezent
Preis: 9,40 Euro (Kässpätzle solo) plus 4,70 Euro (Beilagensalat)
Bewertung: Herzhaftes Aroma, üppige Portion, charmanter Service. Den Gourmands empfehlen wir wochenends als Zugabe unbedingt den sensationellen Kuchen vom Fuchshof.

Lokalität: Hof Höfen
Hof Höfen 1
78476 Allensbach
Tel. 07533/9494450
E-Mail: info@hof-hoefen.com

Sonntag, 17. Juli 2016

Dohoggeddiadiaemmerdohogged ***

















Lange Jahre galt das Mauganeschtle als traditionelles kulinarisches Highlight nach einer gepflegten Tübingen-Sightseeing-Tour für auswärtige Gäste. Begeisterungsstürme waren uns sicher, angesichts der beeindruckenden Vielfalt der hiesigen Maultaschenvariationen und des pittoresken Ausblickes von der Gartenterrasse auf die schwäbische Universitätsstadt.

Nach Jahren der Abstinenz kehren wir wieder, um unsere legendenumrankten Erinnerungen aufzufrischen. Nicht immer halten sie der Überprüfung stand.

Menge: mehr als ausreichend
Spätzle: leider viel zu weich und zu zerkocht
Käse: wir tippen auf Emmentaler pur / die Servicekraft vermutet entweder Emmentaler plus Gouda oder Emmentaler plus Bergkäse, kann dies jedoch nicht verlässlich klären
Zwiebeln: ein paar golden angeschmelzte Zwiebelstreifen
Viskosität: angenehm gummiartig
Beilage: leider keine, was nach meinem Wertesystem gar nicht geht... Bestelle daher einen frischen Beilagensalat extra, der neben grünen Blattsalaten und roter Beten mit schlonzigem Kartoffelsalat und nahrhaften weißen und roten Bohnen glänzt
Zubereitungszeit: ziemlich zügig
Abgang: wohlig
Preis: 10,50 Euro plus 4,30 Euro für den Beilagensalat
Bewertung: Bei gleichbleibend hoher Qualität und Schmackhaftigkeit der Maultaschengerichte enttäuschen leider die Kässpätzle - zu schlonzig, zu hochpreisig, zu wenig Pepp und Kreativität (was wir in diesem geschätzten Lokal eigentlich erwartet hätten)

Lokalität: Restaurant Mauganeschtle
Burgsteige 18
D-72070 Tübingen
Tel. 07071-9294-0
E-Mail: info@mauganeschtle.de

Freitag, 1. Juli 2016

Im griechischen Götterhimmel ***

















Zeus sei Dank ist heute einmal Sommer. So entführt uns Hermes, der Götterbote, über den Thermodon  aufs nahe demetrische Land. Dort empfängt uns die schöne Helena zu wohlschmeckender Ambrosia und Nektar und bietet uns eine freundliche Heimstatt zwischen grünen Wiesen und mit Blick auf die Panathenäischen und isthmischen Spiele. Es bedarf keines Orakels, um meine bevorzugte Speise vorherzusagen...


Menge: eine üppige, in einer länglichen Auflaufform servierte Portion 
Spätzle: gekaufte Eierspätzle
Käse: Gouda
Zwiebeln: waren kaum zu finden
Viskosität: unter einer lecker kross überbackenen Oberfläche wabert ein sahnig schmelzendes Innenleben
Beilage: ein frischer, leider etwas dürftig gewürzter Beilagensalat mit verschiedenen Blattsalaten, Paprika und Mais
Zubereitungszeit: gefühlte 15 Minuten
Abgang: sättigend
Preis: 6,90 Euro (inklusive Beilagensalat) alsMittagsangebot
Bewertung: Ein reichhaltiges, aber gut verdauliches Mahl, das uns am liebsten wohlig in das Reich des Hypnos hinüberschweben ließe. Gnädig verzeihen wir Helena, dass das Ambrosia vermutlich vom Großhandel bezogen wurde.

Lokalität: Schlemmerolymp
Hildrizhauser Str. 80/1
71139 Ehningen
Tel. 07034 - 9328866
Mail: info@schlemmerolymp.de

Freitag, 17. Juni 2016

Kässpätzle mit Spätzleskäs **

 


Stadt Kaffee gehen wir heut ins Stadtcafé. Ins nahe Holzgerlingen, das uns näher liegt als die eigene (kaum existente) Stadtmitte.

Der Mittagstisch bei Eigenthalers läuft wie geschnitten Brot. Doch neben täglich wechselnden Speisen um die 6 Euro weist die Speisekarte zahlreiche ebenso günstige Warmgerichte auf. Da bietet es sich an, endlich mal die hiesigen Kässpätzle anzustesten. Obwohl die Aussenterrasse bei Schönwetter lockt, dinieren wir beim heutigen Nieselregen im Innenraum - doch dafür mit Blick auf saftige Obstkuchen und leckere Torten.

Menge: ausgiebig
Spätzle: sieht nach Convenience aus
Käse: laut Auskunft der Chefin: Spätzleskäs vom Großhandel
Zwiebeln: knurpselige Fertigröstzwiebeln
Viskosität: cremig
Beilage: eigentlich keine - dafür eine bunte Deko aus Blattsalaten, Gurkenscheiben und Möhrenstiften
Zubereitungszeit: weniger als eine Viertelstunde
Abgang: leicht und beschwingt
Preis: 6,60 Euro
Bewertung: Freundliches Ambiente unter engagierter Leitung. Dass neben feinem Kuchen und Gebäck auch noch Deftiges im Angebot ist, überzeugt für sich. Da sieht man den gelegentlichen Einsatz von Fertigprodukten gerne mal nach.

Lokalität: Stadtcafé Holzgerlingen
Turmstrasse 6
71088 Holzgerlingen
Tel: (07031) 41 47 77
E-Mail: willkommen@dasstadtcafe.de

Mittwoch, 8. Juni 2016

Drei Männer am Herd ***


 














Die heutige Einladung birgt eine wahre Überraschung - spiegelt doch die Quersumme der Jahreszahl im Gasthausnamen meinen Geburtstag wieder. Den feiern wir dann auch bescheiden im allerengsten Kreise.

Bei schönem Wetter (was war das gleich noch mal?) sitzt man im Biergarten ganz malerisch unter alten Apfelbäumen. Der bereits den ganzen Frühsommer anhaltende Regen drängt uns jedoch in die rustikalen Gasträume: an blank geputzte Holztische und unter schmuckes landwirtschaftliches Gerät.

Eine der agilen Service-Damen verrät: Drei Männer stehen in dieser zünftigen Location am Herd, quasi im Backoffice. Wer davon das Spätzlesbrett schwingt, bleibt allerdings ein Geheimnis.

Menge: ausreichend, um mich eine Dreiviertelstunde intensiv damit zu beschäftingen
Spätzle: handgeschabt
Käse: eine gefällige Mischung aus Bergkäse und Emmentaler
Zwiebeln: honiggelb geschmälzte Zwiebelstreifen
Viskosität: von angenehmer Elastizität
Beilage: ein bunter Beilagensalat im Zusammenspiel von Möhre, Kraut, Gurke, Tomate und Rucola. Lediglich die enttäuschend harte Trockenheit des Kartoffelsalates ist in einem schwäbischen Gasthaus fehl am Platze (würde aber vielleicht mit einem Fischgericht harmonieren).
Zubereitungszeit: kaum mehr als eine Viertelstunde
Abgang: gut verdaulich
Preis: 9,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Ein vollmundiges, gut sättigendes Gericht in zünftiger Umgebung. Unbedingt probieren: das lokale, hausgebraute Bier aus pausbäckigen Henkelgläsern. 

Lokalität: Landgasthof 1610
Kirchgrabenstr. 6
71263 Weil der Stadt - Merklingen
Telefon: 07033 / 3909-12

Sonntag, 29. Mai 2016

Hey, Mr. Tambourine Man **

 
















Zugegeben: die Welt der windschiefen Vorzelte, der schmatzenden Adiletten und der hallenlangen Gemeinschaftsduschen ist doch nicht so die meinige. Aber um der allgegenwärtigen Wochenendtristesse zu entgehen, ist mir jedes Ausflugsangebot recht.

Gerade mal zwei Monate ist es her, dass das Ehepaar Tamburino die Gaststätte des lautmalerisch "Schüttehof" genannten Campingplatzes hoch über Horb übernommen hat. Wem der Sinn mal nicht nach überm Gaskocher erhitzten Ravioli steht, der kann hier eine gepflegte Pizza einnehmen, respektive einen Insalata Italiana (gerne für die Dame) oder einem rustikalen Schnitzel mit Fritten (gerne für den Herrn). Für schwäbisch sozialisierte Camper werden selbstverständlich auch Kässpätzle vorgehalten.

Menge: beachtliche Portion
Spätzle: bauchige, nach dem Abkühlen auch latent mehlig schmeckende Knöpfle
Käse: der Service meint: Edamer / mein Tipp lautet: Emmentaler (was auch andernorts gerne mal verwechselt wird)
Zwiebeln: Unmengen von ultrakrossen Röstzwiebeln (die laut Auskunft der Patronin bereits morgens hergestellt werden)
Viskosität: dicht
Beilage: ein sahniges Fertigdressing ertränkt eine Garnitur Fertig-Blattsalatmischung, umrundet von einem Rondell geschmacksneutraler Tomaten- und Gurkenscheiben
Zubereitungszeit: eine Viertelstunde
Abgang: grummelig und aufblähend
Preis: 7,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Es gibt eine ernstzunehmende Alternative zu Kässpätzle vom Grill!

Lokalität: Gaststätte Schüttehof
Schütteberg 7
72160 Horb
Telefon: 07451/6246600

Exkurs: Es steht ein Klo im Nirgendwo




















Man erlaube mir einen kleinen Schlenker vice versa. Denn was oben reinkommt, muss unten wieder raus. Und noch viel älter als die Idee zu diesem Blog ist meine anhaltende Affinität zu auswärtigen Toiletten. Denn wenn Reisen und Unterwegssein zu den Lieblingshobbies zählen, ist man unweigerlich den absonderlichsten Erlebnissen ausgesetzt. So hat sich schon ein gehöriger Erfahrungsschatz zwischen Null-Null-Notstand und malerischen Örtchen mit Aussicht angesammelt.

Da erscheint mir Luke Barclay als tatkräftiger Bruder im Geiste. Liebevoll präsentiert er ein "Best of" der "Loos with views" dieses Planeten. Eine kleine Typologie der Tiefsitzer, Urinale und Komposttoiletten mit Blick auf Häusermeere, Reisfelder oder Sanddünen. Dazu kann ich aus meinem kleinen Umfeld lediglich ein paar goldene Wasserhähne oder mondäne Glaslüster beitragen.

Menge: 40 Locations zwischen dem Alacatraz Wachttum in der Bucht von San Francisco und dem Kloster Samye in Tibet
Spätzle: spielen hier eher eine untergeordnete Rolle
Käse: kommt nur rudimentär vor
Zwiebeln: dito
Viskosität: 94 geschmeidige Seiten zwischen wohlgestaltetem, quadratischem Hardcover
Beilage: Zahlreiche Fotografien, schematisch-minimalistische Landkarten, solide Bildnachweise und eine komplette Kloliste - nebst Einleitung und Danksagung
Zubereitungszeit: 3 Jahre unseres Lebens verbringen wir durchschnittlich auf der Toilette
Abgang: eindrucksvoll, anregend, weltumspannend
Preis:12,00 Euro
Bewertung: Visuelle Inspirationsquelle für Weltreisende: griffig, kaum ein halbes Pfund schwer und absolut handgepäcktauglich. Prima als Klo-Lektüre für weniger aussichtsreiche Sitzungen geeignet.

Lokalität: Luke Barclay: Es steht ein Klo im Nirgendwo.
Frankfurt: Fischer, 2016.
94 Seiten. 12,00 Euro
ISBN: 978-3-596-03406-2

Mittwoch, 4. Mai 2016

Lichtenstein leuchtet ****

















Hoch überm Echaztal klebt das Märchenschloss Lichtenstein so fotogen an einem Felsen, dass man es glatt für eine virtuelle Inszenierung halten könnte - wenn es nicht ein neugotischer Nachbau wäre. Die Aufgaben des Alten Forsthauses nebenan wandelten sich zeitgemäß von der einstigen Wilderei-Bekämpfung bis zur heutigen Gastwirtschaft. Ganz nach unserem Gusto!

Wer nicht im großen Festsaal diniert, kann es sich im Kaminzimmer gemütlich machen, dessen Schiebetür an ein Eisenbahnabteil erinnert. Möge diese Reise nur nicht so schnell enden...

Menge: stattliche Riesenportion, in einer überdimensionierten Pfitzauf-Auflaufform serviert
Spätzle: selbstgemacht (keine Frage)
Käse: klassischer Emmentaler
Zwiebeln: ein Topping aus marmeladig angeschmälzten Zwiebelstreifen mit leicht süßlichem Aroma
Viskosität:  mit knusprig-kross überbackener Oberfläche - darunter sanft elastische Fäden ziehend
Beilage: der solide Beilagensalat unter leichtem Sahnedressing bietet grüne Blattsalate, zwei Tomatenscheiben, gehobelte Gurke, gestiftelte Möhren und Krautsalat in Streifen
Zubereitungszeit: 40 Minuten, die sich lohnen und in denen wir ausgiebig die berauschende Aussicht genießen
Abgang: zur Verdauung empfiehlt sich ein Engstinger Quittenbrand
Preis: 9,50 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Sowohl die riesigen Portionen (von denen glatt zwei Personen satt werden könnten) als auch der sensationell freundliche Service und der wundervolle Ausblick auf die Achalm und das Echaztal verdienen Bestnoten. Regionale und saisonale Speisen sind hier selbstverständlich!

Lokalität: Altes Forsthaus 
Schloss Lichtenstein 1
72805 Lichtenstein
Tel.: 07129/2440
E-Mail: info@altesforsthauslichtenstein.de

Montag, 2. Mai 2016

Schwarzwälder Schonkost ***

 
















Während oben auf dem Sommerberg die (noch) Sportiven den Baumwipfelpfad erklimmen oder downhill biken, schlurft man unten an der Enz eher am Rollator entlang. Der abendliche Hunger auf Deftiges führt alle zusammen.

Doch der rustikale Gewölbekeller und die zünftigen Lederhosen des Patrons täuschen: meine andernorts oft sahnige, schwer verdauliche Leibspeise kommt hier so soft und leicht daher, als ob sie direkt in der nahen Klinikküche dem Dampfgarer entwichen wäre. Beim späteren Warten auf den Ausdruck der Rechnung nicken wir fast schon sediert ein.


Menge: die kleine Portion reicht  - der standardmäßig vorgesehene Schinken wurde auf eigenen Wunsch  gestrichen
Spätzle: schlank und zartgliedrig, mit dünnen Schnittlauchröllchen garniert
Käse: gut verträglicher Emmentaler ohne nennenswerten Eigengeschmack
Zwiebeln: winzig fein geschnitten und gedämpft
Viskosität: bouillionartig, eher suppig
Beilage: ein Beilagensalat mit Tiefenwirkung: unterm leicht wässrigen Blattsalat verstecken sich kräftige Karottenstreifen, würziger Krautsalat und aromatischer Fenchel. Danke, dass man uns das übliche Alibi-Tomatenachtel erspart hat!
Zubereitungszeit: 25 Minuten
Abgang: schlaffördernd und beruhigend
Preis: 8,80 Euro (inkl. Beilagensalat) für die kleine und 11,00 Euro für die große Portion
Bewertung: Neben der unerwarteten Schonkost-Variante verdient dieses Lokal noch zwei Bonuspunkte für 1.) die Öffnung am Montag und 2.) einem auf Wunsch sortenreinen Weinschorle

Lokalität: Wildbader Hof
König-Karl-Straße 43
75323 Bad Wildbad
Tel:: 07081/ 2476
E-Mail: info@wildbaderhof.de

Donnerstag, 14. April 2016

Wir sitzen alle im selben Boot **

















Heute bringt mich der Gesprächskreis des "Runden Tisches" unversehens an einen eckigen. Nach wechselnden Pächtern teste ich erstmals seit 6 Jahren wieder das Bootshaus an. Das platzt an einem regnerischen Aprilmittag förmlich aus allen Nähten und kann Zuspätgekommenen nur noch einen feuchten Terrassenplatz anbieten.

Offenbar rockt der überaus günstige Mittagstisch (5 Euro für vegetarische und 7 Euro für fleischhaltige Arrangements) das Boot. Immerhin ist der agile Service dem Andrang erstaunlich gut gewachsen - was man von  Böblinger Lokalen nicht immer sagen kann...


Menge: zusammen mit dem Beilagensalat gut sättigend
Spätzle: "die machen wir selber" kann die Servicedame glaubhaft versichern
Käse: Emmentaler und Limburger
Zwiebeln: an den steinharten Röstzwiebeln könnte man sich Zähne ausbeißen
Viskosität: weich und nachgiebig
Beilage: unter einem grünen Deckmantel mit rotem Paprika-Eyecatcher befindet sich fein gehobeltes Kraut, süsslich angemachte Möhrenstiftchen und rezente Gurkenstreifen - alles in einem zitronig-frischen Dressing
Zubereitungszeit: etwas über eine Viertelstunde
Abgang: unbeschwert
Preis: 11,00 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Solides, sättigendes Mainstream. Ein im zweistelligen Bereich liegender Preis lässt andernorts jedoch mehr Exklusivität erhoffen.

Lokalität: Bootshaus Böblingen
Mönchweg 6
71032 Böblingen
Tel. 07031/234790
E-Mail: info@bootshaus-boeblingen.de

Sonntag, 10. April 2016

Herzog Friedrich hätte seine Freude ***




Freudenstadt lockt mit einer Vielfalt von Heilsversprechen nicht nur moribunde Rentner an. Oben auf dem Hausberg Kienberg (auch für Fußkranke und Versehrte bequem erreichbar mit dem Kurbähnle) hat vor gut einem halben Jahr - auf den Grundmauern des ehemals reichlich abgehalfterten und altjüngerferlichen Cafés am Friedrichsturm - eine sehr stylische Location im aufgemotzten Landhaus-Look eröffnet. Vermutlich hat der Innenarchitekt mit diesem geballten Black-Forest-Feeling seine Doktorarbeit vollbracht. Nicht umsonst gehört hier die Schwarzwälder Kirschtorte zu den gefühlt am häufigsten bestellten Speisen.


Menge: reichlich - nur der Anstand verbietet mir, den verbliebenen Rest einpacken zu lassen
Spätzle: schlank, gleichförmig und offenbar hausgemacht
Käse: der sehr bemühte, aber in Interna ziemlich unwissende Kellner versucht es mit folgenden Antworten (in dieser Reihenfolge): a) Allgäuer Hüttenkäse b) vom Großmarkt, "da muss ich mal auf die Tüte schauen" c) Emmentaler
Zwiebeln: geschmälzte Zwiebelringe
Viskosität: angenehm cremig, mit knackig überbackener Oberfläche
Beilage: keine (ein wahres Manko!)
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: wohlig
Preis: 7,50 Euro
Bewertung: Trotz mangelndem Beilagensalat und fehlender Transparenz der Inhaltsstoffe haben mich die grandiose Aussichtslage und das sichtliche Bemühen des Servicepersonals mehr als versöhnt.

Lokalität: Friedrichs am Kienberg
Herzog-Friedrich-Straße 33
72250 Freudenstadt
Tel. 07441/951196
E-Mail: info@friedrichs-kienberg.de