Samstag, 13. Dezember 2014

Doppel-Jubiläum ***


















Ganz unvermutet feiern wir heute gleich ein doppeltes Jubiläum: den 75. Geburtstag eines Schwipp-Cousins und den 200. Post dieses Kässpätzle-Blogs! Wir nehmen es sportlich und stemmen neben der  Haslacher Handballhochburg ganze Platten mit Frittiertem, Paniertem und Glasiertem. Als einziger Vegetarier darf ich Extrawünsche äußern und greife geehrt zu meiner Leibspeise. Denn die wird a la carte ganz selbstverständlich angeboten!


Menge: der beeindruckende Inhalt einer Auflaufform wird bei mir als Langsam-Esser zwischendurch kalt, so dass ich mehrmals um Erwärmung bitten muss
Spätzle: nach Auskunft des Patrons: "die machen wir selber"
Käse: nach Auskunft des Patrons: "eine besondere Mischung aus Emmentaler, Bergkäse und Hartkäse (sic!)"
Zwiebeln: eine überbordende Menge, kross ausgebacken
Viskosität: gefällig und geschmeidig
Beilage: bunter Salatteller mit frischen Blattsalaten, würzigen Rettichstreifen, aromatischem Rotkraut und solidem Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: konnte im Rausch der Feierlichkeiten leider nicht ermittelt werden
Abgang: dank Freigetränken und einem fruchtigen Willi konnten die beeindruckenden Mengen gut verstoffwechselt werden
Preis: laut Karte 10,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Diese Portion macht jeden Handballer satt und liefert alle wichtigen Nährstoffe (Eiweiß, Kohlehydrate, Fett).

Lokalität: Sporthallen-Gaststätte
Haslacher Hof
Häring 2
71083 Herrenberg-Haslach
Tel.: 07032-9568210
Fax: 07452-790769
Email: gaiser.w@web.de 

Montag, 8. Dezember 2014

Mit schwäbischer Handschrift ***



Kinder, wie die Zeit vergeht! Vor kurzem bespielten Wioletta und Gebhard Baur-Kacperek noch den Böblinger Platzhirsch, wo wir eine gelungene Session für ein bekanntes Stuttgarter Stadtmagazin abhielten (Stichwort: die Spätzialistin). Inzwischen ist das Gastro-Ehepaar in den Heimathafen Sindelfingen zurückgekehrt. Auf ebenso traditionsreiches Terrain.

Hier verspricht das Speisenangebot "mediterrane Köstlichkeiten, frisch und phantasievoll zubereitet mit schwäbischer Handschrift". Das loten wir gerne bei einem Mittagessen aus. Und sind freudig erstaunt darüber, dass die kleine Karte erheblich mehr Auswahl bietet als das andernorts oft spärliche Mittagstisch-Duett.


Menge: vollkommen ausreichend
Spätzle: die flutschen prächtig
Käse: eine gelungene und gefällige Melange aus Emmentaler und Tilsiter
Zwiebeln: reichlich herzhaft und deftig geschmälzte Zwiebelstreifen
Viskosität: sahnig-soft-geschmeidig
Beilage: was auf der Mittagskarte als kleiner Salat firmiert, entpuppt sich als auf dem selben Teller servierte Dekoration aus Ackersalat und etwas Radicchio und noch mehr Kartoffelsalat (leider ziemlich  trocken und geschmacksneutral)
Zubereitungszeit: eine Viertelstunde nach meinem Eintreffen öffnet die Küche; eine weitere Viertelstunde später steht das Bestellte auf dem Tisch (so schwungvoll, dass der Brotkorb gleich mit umkippt)
Abgang: lang sättigend, etliche Bäuerchen erzeugend
Preis: 7,90 Euro (als Mittagstisch, mit Salatbeilage)
Bewertung:  Die geschmackvollen Käsespätzle werden hübsch dekoriert und ebenso angerichtet. Lediglich Textur und Geschmack des Kartoffelsalates sollten überdacht werden. Auch dem jugendlichen Service würde etwas mehr Ambitioniertheit gut zu Gesicht stehen.

PS. Nach wie vor sehenswert: die noblen Toiletten mit Lüsterlicht (die uns sehr an Bad Wildbad erinnern)

Lokalität: Viola
Vaihinger Straße 14
71063 Sindelfingen
Tel.: 07031/61143
E-Mail: info@restaurant-viola.de

Donnerstag, 13. November 2014

Kaiserlicher Hohenzollernblick ****

















Nieseliges Novemberwetter macht die Wallfahrt nach Maria-Zell zu einem glitschigen Unterfangen. Viel lieber wärmt man sich bei grandiosem Zollernausblick im Landgasthaus Kaiser auf und genießt eine ambitionierte Küche, die man niemals in Hechingens eher verschlafenem Teilort Boll erwartet hätte.

Neben herausragenden saisonalen und regionalen Speisen kann das Restaurant vor allem mit originellen  Maultaschenvariationen (mit überraschenden Füllungen zwischen Lachs, Lamm und Vanille), sowie einem überaus vielfältigen Salatbüffet glänzen. Wenn keine Selbstverpflichtung zu Käsespätzle bestände, fiele mir die Speisenauswahl reichlich schwer. Glücklicherweise berät die Chefin charmant und kenntnisreich.


Menge: üppig und reichhaltig (der Rest wird selbstverständlich eingepackt)
Spätzle: längliche, vom Durchmesser eher flache Hausmacherware
Käse: ein erstaunlich milder und gefälliger regionaler Bergkäse von der Käserei Altschulzenhof aus  Hayingen-Münzdorf
Zwiebeln: würzig geschmälzt, mit feinem Biss
Viskosität: trotz der in der Karte ausgewiesenen Sahne nur leicht schlüpfrig, ansonsten eine sehr angenehme Symbiose aller Bestandteile
Beilage: alleinig dieses grandiose Salatbüffet würde schon Höchstnoten verdienen - vielfältig, ideenreich, saisonal und absolut frisch: ein leicht lauwarmer und herrlich schlonziger Kartoffelsalat, grob gehobelter Rettich, leicht süssliche Möhrenstreifen mit Paprika und Gürkchen als Topping, leider allzu bissfester Rosenkohl, knackige Blattsalat-Variationen etc. pp.
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: wohlige Fülle
Preis: 11,00 Euro (inklusive Beilagensalat nach Wahl vom Büffet)
Bewertung:  Geschmack, Menge und Kreativität überzeugten! Wie eine persönliche Signatur der Küche: einige kurz blanchierte Gemüse-Rechtecke als außergewöhnliche Deko am Tellerrand.

Lokalität: Landgasthaus Kaiser
Dorfstr. 18
72379 Hechingen - Boll
Tel. (0 74 71) 52 55
Fax (0 74 71) 1 31 14
E-Mail: info@landgasthaus-kaiser.de

Sonntag, 2. November 2014

Zur falschen Zeit am richtigen Ort **

















Manchmal verschlägt es einen zur falschen Zeit an den richtigen Ort. Sonntagnachmittags um halb drei, wenn sich die ersten Kaffee-und-Kuchen-Gäste aufmachen, steht mir überraschend oft der Sinn nach eher herzhaften Speisen. Wen würde es wundern: vor allem nach Käsespätzle.

Auf dem Balkon des Lossburger Hirschen macht sich derart einladend die letzte Novembersonne breit, dass ich mich allseits willkommen fühle. Leider steht zu dieser Uhrzeit nur die kleine Karte mit wenig vegetarischer Auswahl bereit. Mit viel Überredungskraft und Aufbietung meines ganzen Charmes schaffe ich es jedoch, meine Leibspeise zu ordern. So wächst in der Küche der Azubi im ersten Lehrjahr unter Anleitung einer willigen Service-Dame ganz mutig über sein Können hinaus.

Menge: beeindruckende Portion
Spätzle: hausgemacht, handgeschabt und vermutlich (nach meiner eigenen Empfehlung!) vom Mittagessen übrig geblieben
Käse: vermutlich der Klassiker
Zwiebeln: ein beachtliches Konglomerat von ultrakrossen Röstzwiebeln mit der Konsistenz kleiner Meteoriten
Viskosität: sahnig
Beilage: leider, leider keine - auf Wunsch wird mir jedoch in Nullkommanichts ein extra Beilagensalat dazu gezaubert
Zubereitungszeit: wahrhaft im Handumdrehen
Abgang: wohlig, durch die dominante Röstzwiebelpräsenz jedoch auch reichlich Durst erzeugend
Preis: 8,20 Euro (für die Kässpätzle) plus 4,70 Euro (für den Salatteller)
Bewertung: Den unprätentiösen Bemühungen in Küche und Service sei mein herzlichster Dank geschuldet! Das Resultat entsprach jedoch vermutlich nur einem Bruchteil des hohen Potentials dieses Restaurants.

Lokalität: Landgasthof Hotel Hirsch
Hauptstraße 5
72290 Loßburg
Telefon 0049 (0)7446 95050
Telefax 0049 (0)7446 950 555
E-Mail: hotel@hirsch-lossburg.de

Sonntag, 19. Oktober 2014

Last exit Renningen ***

 
















Deutschland erholt sich vom bundesweiten Streik der Lokführer. Langsam füllen sich wieder die Bahnhöfe, samt ihrer zugehörigen Gastronomie (und sei es nur dem Namen nach...).

Das bislang eher randständige Renningen hat sich zur vielbesuchten Trainspotting-Metropole gemausert, seit die neuen S-Bahn-Linien S6 und S60 hier verkehren. Da lohnt auch schon mal ein kleiner Ausflug über die Gleise hinweg.

Nur wenige Schritte vom eher unwirtlichen Bahnhof entfernt, überzeugt das schmucke Hotel-Restaurant Zur Eisenbahn mit gepflegtem Interieur, saisonal inspirierten Speisen, sowie zuvorkommendem Service. Selbstverständlich werden die ursprünglich mit Speck vorgesehenen Kässpätzle auf Wunsch auch vegetarisch zubereitet.

Menge: ein gehöriger Batzen
Spätzle: von solch unterschiedlicher Beschaffenheit, dass nur Handarbeit dahinter stecken kann
Käse: ein erstaunlich würziger und vollmundiger Emmentaler
Zwiebeln: kaum eruierbar
Viskosität: gummiert
Beilage: ein sehr fein angemachter Beilagensalat, der aus Frisee-, Acker- und grünem Blattsalat besteht. Als Krönung: ein halbes gekochtes Ei.
Zubereitungszeit: 10 Minuten bis zum Eintreffen des Salates und der Vorsuppe meines Mitessers
Abgang: am Nachmittag leicht grummelnd-rumorend
Preis: 8,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung:  Auch wenn die überzeugende Menge beeindruckt, wirken die hiesigen Kässpätzle ohne Speck doch arg bläßlich (Das Los der Vegetarier...). Dafür erfreuen wir uns an feinem Tafelgeschirr und rustikalen Tischläufern.

Lokalität: Hotel-Restaurant Zur Eisenbahn 
Carmen Faas
Bahnhofstr. 72
71272 Renningen
Telefon: +49 7159 80430
Telefax: 07159 7831
E-Mail: info@hoteleisenbahn.de

O Hagelloch, o Hagelloch ****

















Tübingen im Wahlfieber. Während im malerischen Teilort Hagelloch die Bürger bei sommerlichen Temperaturen in kurzen Hosen zur Wahlurne spazieren, nehmen wir das gefühlte Ergebnis vorneweg und kehren im traditionsreichen Grünen Baum ein.

So stellt man sich ein alteingesesses Dorftgasthaus vor: halbhoch mit Holz vertäfelte Wände, beeindruckende Geweihe und ornithologische Schätze, sowie beherztes Schnitzelklopfen aus der Küche. Über allem residiert eine ausgestopfte Füchsin, die mit Lesebrille in einem Diogenes-Krimi schmökert.

Menge: eine üppige, kaum zu bewältigende Portion im gußeisernen Pfännle (das leider geschmacklich etwas metallisch abfärbt)
Spätzle: von Hand durch die Spätzlespresse gedrückt
Käse: Emmentaler - und davon nicht zu wenig!!
Zwiebeln: sehr krosse, mikroskopisch feine Röstzwiebel (hier hätte mir die geschmälzte Variante vom Rostbraten besser gefallen)
Viskosität: dehnfähiges Elastomer
Beilage: alleinig dieser sensationelle Beilagensalat würde schon glücklich machen: ein grandioser, lauwarmer, schlonziger Kartoffelsalat mit sehr frischem Blattsalat, fein gehackten Paprikawürfeln, aromatischer Möhre und rezentem Retttich
Zubereitungszeit: keine Ahnung, hier haben wir schlichtweg die Zeit vergessen...
Abgang: herrlich sättigend bis zum nächsten Morgen
Preis: 9,00 Euro (inklusive buntem Salatteller)
Bewertung: Grundehrliche, überaus schmackhafte schwäbische Küche. Bitte den hiesigen Most goutieren, der auch wahlweise als Schorle und in rustikalen Krügen serviert wird (von einem Viertele bis zum Litergebinde)

PS. Da der Wirt ursprünglich Konditor gelernt hat, gilt der Kuchen als örtlicher Geheimtipp!

Lokalität: Grüner Baum
Am Dorfbrunnen 29
72070 Tübingen - Hagelloch
Tel.: 07071 66679
Mail: gruenerbaumhagelloch@web.de

Dienstag, 14. Oktober 2014

Spätzle Carbonara *

















Käsespätzle arbeiten sich mehr und mehr in die Riege internationaler Speisen empor. Erst in den letzten Wochen durften wir sowohl eine türkische als auch ein griechische Variante goutieren. Andererseits scheinen wiederum Bestandteile und Beschaffenheit des originären Rezeptes in Vergessenheit zu geraten und in einer verwässerten Crossover-Küche unterzugehen.

Heute stranden wir auf der Durchreise in der hübschen Nordschwarzwaldstadt Nagold, die erst vor zwei Jahren als Austragungsort der Landesgartenschau runderneut und schmuck herausgeputzt wurde. Zu den Gewinnern der neuen Mitte zählt eindeutig das La Meo - Bistro, Bar, Club und Restaurant mit stylishem Ambiente und beeindruckend langen Öffnungszeiten.

Menge: mehr, als ich verdauen konnte
Spätzle: eindeutig Fertigware mit dem Habitus von Spaghetti
Käse: vielleicht Sahne? Oder Streichkäse? Eine ungekannte Fertigmischung? (die Bedienung wusste es auch nicht...)
Zwiebeln: leider absolute Fehlanzeige bei den angekündigten Röstzwiebeln
Viskosität: schlüpfrig-sahnig
Beilage: eine vollkommen geschmacksneutrale, ungewürzte Dekorationsbeilage aus Möhrenstiften, Dosenmais, blässlichem Eisbergsalat, sowie je zwei Scheiben Gurke und Tomate
Zubereitungszeit: viel zu kurz, um glaubhaft eine frische Zubereitung zu suggerieren
Abgang:  liegt mir kloßartig, aber glücklicherweise beschwerdefrei im Magen
Preis: 8,50 Euro (inklusvie Salatbeilage)
Bewertung: Diese vermeintlichen Käsespätzle (ohne Zwiebeln) kommen eher wie Spaghetti Carbonara (ohne Speck) daher. Bei aller Internationalität wünsche ich mir mehr Rückkehrbesinnung zu den Wurzeln regionaler Speisen.

Lokalität: La Meo
Freudenstädter Str. 25
72202 Nagold
Telefon: 07452 / 810373

Freitag, 3. Oktober 2014

Über diese Brücke musst Du gehen ***

 
















Verkehrstechnisch gesehen, ist die Hausener Brücke über die Würm ein Unikum. Als die Gewölbesteinbrücke 1777 fertig gestellt wurde, war noch nicht abzusehen, dass sich dort Jahrhunderte später vielleicht mal zwei Automobile aneinander vorbeizwängen wollen. Und das ohne klare Vorfahrtsregelung. Das kämpferische Schauspiel lässt sich heutzutage im Minutentakt bestaunen.

Die beste Loge ist ein Fensterplatz in der Gaststätte Würmbrücke, hinter ausladenden Gardinenvolants. Hier residiert man in bodenständig eingerichteten Räumlichkeiten, die vage an Vereinsheime meiner Jugend erinnern. Nicht umsonst feiert das Lokal heuer sein 25jähriges Jubiläum.

Menge: mächtige Portion, die den ganzen Teller ausfüllt
Spätzle: hausgemacht und von Hand gepresst
Käse: klassischerweise Emmentaler
Zwiebeln: reichlich angedünstete Zwiebelstreifen unter und auf der Spätzlemasse
Viskosität: omeletteartig mit sympathisch krosser Oberfläche
Beilage: ein mitten im Raum stehendes Büffet lädt zum Zusammenstellen eines Salattellers ein
Zubereitungszeit: knappe Viertelstunde
Abgang: bleibend sättigend und nachhaltigen Durst erzeugend
Preis: 8,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung:  Anerkennung für die feste, pfannkuchenartige Konsistenz, die ganz an die Zubereitungsart meiner Mutter erinnert. Die Dosierung eines herzhaften Gastrogewürzes mit Umami-Geschmack hätten wir uns allerdings deutlich sparsamer gewünscht.

Lokalität: Gasthaus Wurmbrücke
Heimsheimer Str. 18
71263 Weil der Stadt
Telefon: 07033/ 34285
Telefax: 07033 / 35876
E-Mail: wuermbruecke@t-online.de

Sonntag, 28. September 2014

Keine Karpfen in Kapfenhardt ***



Frühling in Oberreichenbach, Herbst im unteren Teil des selbigen. Über die schlichte Abwesenheit des Sommers tröstet mich eine späte Cabriofahrt hinweg. Mangels Navi und eines übergreifenden Masterplans folgen  wir spontan einer verheissungsvollen Abzweigung von der Hauptstraße. Und landen mitten in einem malerischen Schwarzwald-Szenario, mit Mühlenrad, Fachwerk und Landlust-Idylle.

Die Untere Kapfenhardter Mühle könnte geradewegs aus einem Hochglanzprospekt der örtlichen Tourismusinitiative entsprungen sein. Umgeben von schwarzen Wäldern, von der milden Septembersonne beschienen, lassen wir uns auf der überdachten Veranda nieder. Rustikale Holzbänke, gewürfelte Tischdecken, fesche Service-Damen in einheitlicher Tracht. Dennoch schallt uns die Wahrheit in unverblümtem, hochdeutschem Idiom entgegen: Warmes Essen erst ab 17 Uhr!

Menge: üppig
Spätzle: offensichtlich hausgemacht (ein wichtiger Bestandteil könnte aus der hiesigen Mühle stammen)
Käse: nach Auskunft der Servicedame: "Schweizer Käse" (ob damit Emmentaler gemeint ist?)
Zwiebeln: fein gewürfelt und leicht blässlich angedünstet
Viskosität: zähe Käsefäden ziehend
Beilage: hier ist die Beilage klar im Übermaß: reichlich Erbsen und Möhrchen aus der Dose (geschmacksneutral) plus vielseitigem Beilagensalat mit angenehm schlonzigem Kartoffelsalat, frischem Blattsalat, fein gestiftelter Roter Bete und Möhre, plus zartem Gurkensalat
Zubereitungszeit: circa eine halbe Stunde, nachdem wir den obligatorischen Schichtwechsel abgewartet haben
Abgang: sättigend bis zum Mittag des nächsten Tages
Preis: 8,50 Euro (inklusive Gemüse- und Salatbeilage)
Bewertung: Das aussergewöhnliche Gesamtarrangement ist überraschend günstig, stark gemüselastig und erinnert frappierend an vergangene Mitropa-Gastronomie.

Lokalität: Untere Kapfenhardter Mühle
Zu den Mühlen 5
75399 Unterreichenbach
Tel. (+49) 07235-9320-0
E-Mail:  info@untere-kapfenhardter-muehle.de

Sonntag, 21. September 2014

Eurotoques am Ebnisee ****































Pünktlich zum Tag des Schwäbischen Waldes reißt Petrus alle Schleusen auf. Und am Ebnisee herrscht Weltuntergangstimmung - nicht nur metereologisch.

Ehrfürchtig nähern wir uns der mehrfach ausgezeichneten Schassberger-Dynastie (vom Württembergischem Porsche-Club bis zur ehemaligen Bocuse d'Or Academy Germany). Das Anwesen gleicht sowohl vom See als auch von der Straßenseite aus durch eine Vielzahl von Anbauten, Dependancen, Terrassen und Balkonen einer beeindruckenden Trutzburg.

Während wir schüchtern noch die letzten Regentropfen aus unseren Wanderjacken schütteln, begrüsst uns der Maitre daselbst nach gepflegter Gutsherrenart mit leutseligem Shaking-Hands und weist mit einem Fingerzeig den eben freigewordenen Fenstertisch an. Enchanté!


Menge: großzügige Portion, in einem gusseisernen Pfännle serviert
Spätzle: feinste Handarbeit
Käse: eine ideale Mischung aus Emmentaler und Bergkäse
Zwiebeln: beeindruckendes Duett von Zwiebeln in zweierlei Aggregatzuständen  (crispy frittiert und pflaumweich angeschmälzt)
Viskosität: zierliche Spinnwebenfäden ziehend
Beilage: wir wählen einen extra Beilagensalat (4,50 Euro) mit frischem Eichblatt und Frisee, angenehm schlonzigem Kartoffelsalat, süßlichen Karottenstreifen, currylastigem Weißkohl und einem Viertel gekochtem Ei
Zubereitungszeit: die annähernd 40 Minuten bis zum Hauptgang werden mit zwei Grüßen aus der Küche kurzweilig überbrückt: zweierlei Weißbrotscheiben mit Meerrettich-Quark, sowie einem sahnigen Roggensüppchen mit frischen Schnittlauchröllchen
Abgang: die schiere Menge und Vielfalt der Speisen zollen ihren Tribut
Preis: 9,90 Euro (Kässpätzle) plus 4,50 Euro (Beilagensalat)
Bewertung: Erstklassige Küche in einem Haus, das eindeutig bessere Zeiten und prominentere Gäste gesehen hat. Eine prima Location für alle wehmütigen Nostalgiker!

Lokalität: Ernst-Ulrich W. Schassbergers Hotel am Ebnisee
Ebnisee 2
73667 Ebnisee
Tel.: +49(0)7184-2938020 oder +49(0)172 - 7 96 90 00
Fax: +49(0)7184-2938021
E-Mail: info@hotel-schassberger.de

Donnerstag, 11. September 2014

Griechische Würze ***

 
















Internationale Wochen im Kässpätzle-Testcenter. Während wir noch kürzlich der türkischen Variante aufgesessen sind, dinieren wir heute (fast unbemerkt) unter griechischer Flagge.

Das in früheren Jahren bereits schon mal angestestete Waldhotel Sindelfingen, firmiert nach umfangreichen Renovierungsarbeiten neu unter der Inhaberin Matina Patsia mit ihrem griechischen Koch Chris Kopesidis. Der sorgt für deftig-pikante Würze und kraftvolle Interpretationen bekannter Klassiker. So sind meine heutigen Mitesser begeistert von der rustikalen Gulaschsuppe mit deutlich spürbaren Kartoffel- und Tomatenstückchen.


Menge: was großzügig auf eine längliche Vorlagenplatte passt
Spätzle: solide und wohlgeformt
Käse: Gouda (in der Küche erfragt)
Zwiebeln: reichlich in allen Aggregatzuständen: crispy als Topping / sanft angeschmelzt unter der Spätzlemasse
Viskosität: geschmeidig bis sämig
Beilage: ein recht überschaubarer, unspektakulärer Beilagensalat mit 3 Salatblättern und einem einsamen Tomatenachtel
Zubereitungszeit: obwohl nicht auf der Mittagskarte stehend: nur eine knappe Viertelstunde
Abgang: einen nachhaltig pikanten Nachgeschmack hinterlassend
Preis: 8,90 Euro (inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Die Runderneuerung der Location ist optisch gelungen, scheint jedoch das Nervenkostüm der Inhaberin arg ramponiert zu haben. Zukünftig wünschen wir uns deutlich mehr Contenance im Service. An der paprika-tomatigen Würze der reichhaltigen Kässpätzle ist dagegen nichts auszusetzen.

Lokalität: Waldhotel Sindelfingen
Friedrich-Ebert-Str. 40
71067 Sindelfingen
Telefon: 07031/ 7088500
Telefax: 07031/ 7088550
E-Mail: info@waldhotel-sindelfingen.de

Dienstag, 9. September 2014

Spazierwandern mit Käsespätzle ***


















Wenn die Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg in die Messe Stuttgart einlädt, dürfen Maultaschen und Käsespätzle nicht fehlen. Der Appetit stellt sich bei den heutigen Tagungsthemen ganz automatisch ein!

Praktischerweise referiert der ausgewiesene Spezialist Jochen Becker über den aktuellen Trend Spazierwandern - einer gnädigen Neu-Entwicklung für alle Fusslahmen, vor der Zeit Ermatteten und geistig Willigen mit körperlichem Handicap. Bewerbe mich in Gedanken schon als publikumswirksame Beta-Testerin: 2009 noch als Hardcore-Wanderer unterwegs - wenige Jahre später bereits zur neuen Zielgruppe gehörend.


Menge: am Büffet ganz nach Belieben (ich habe mehrfach zugegriffen)
Spätzle: sieht nach Handarbeit aus
Käse: Emmentaler
Zwiebeln: nach Gusto kann man sich aus edelstählernen Riesenbottichen sämig geschmälzte, butterzarte Zwiebelstreifen fischen
Viskosität: oben herum knackig-kross angebräunt, darunter handfeste Masse
Beilage: ganz nach Gusto - ich wähle vom frischen Salatbüffet einen würzigen griechischen Salat, frische Sprossen (rote Bete?) und feine Kürbiskerne
Zubereitungszeit: hat sicherlich den ganzen Vormittag verschlungen
Abgang: führt noch Stunden später zu leckeren kleinen Bäuerchen
Preis: im Rahmen eines Kongressbesuches quasi kostenlos
Bewertung: Hoch konzentrierter, professionell ausgebildeter Service mit sehr angenehmen Umgangsformen und glaubhafter Kundenorientierung. Mit den angetesteten Käsespätzle kann sich Baden-Württemberg nicht nur als beliebte Wanderdestination, sondern auch als lukullisches Eldorado fühlen!


Lokalität: Aramark
Catering Messe Stuttgart
Telefon: 0711-18560-3101
Fax: 0711-18560-3111
E-Mail:messe.bankettverkauf@aramark.de

Samstag, 30. August 2014

Alter Calwer! ***


















Alter Schwede! Dieses Lokal steckt voller Überraschungen! Ganz entgegen seiner Namensgebung wartet das in der Einflugschneise zur Altstadt gelegene Restaurant mit modernem Ambiente und einer schicken  Aussenterrasse auf.

Heute hat der Inhaber Thomas Peter seinen Platz hinterm Herd gegen einen an der Sonne eingetauscht: hier kann die in Jesolo erworbene Urlaubsbräune noch etwas vertieft und zugleich der umtriebigen Kontaktfreude gefrönt werden. Der überaus kommunikative und superfreundliche Patron scheint hier Hinz und Kunz zu kennen und hat für jeden Passanten ein nettes Wort, ein kleines Schwätzchen übrig.

Nebenbei erklärt er einem skeptischen Interessenten die Herkunft der Kutteln - und  macht für mich spontan eine Portion Kässpätzle klar, auch wenn die gar nicht auf der Karte stehen. Leider wird meine Leibspeise im Übereifer mit reichlich Schinken serviert, was mir als Vegetarierin gewisse Mühe beim Zerlegen abverlangt.


Menge: reichhaltige Portion
Spätzle: ganz augenscheinlich aus Eigenproduktion
Käse: reiner Emmentaler
Zwiebeln: Sonderpunkte für mikroskopisch fein ziselierte Zwiebelpartikelchen
Viskosität: von gefälliger Geschmeidigkeit
Beilage: lecker anzusehen und geschmackvoll auf einem Porzellanschiffchen angerichet: schön schlonziger Kartoffelsalat, knackiger Rucola, gestiftelte Möhre, mit Kümmel gewürzter Krautsalat und frische Tomate
Zubereitungszeit: im Handumdrehen - keine gefühlte 10 Minuten!
Abgang: leicht
Preis:8,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung:  Ambitionierter und kommunikationsfreudiger Heckengäu-Koch mit einem hervorragenden saisonalen und regionalen Angebot. Es lohnt sich durchaus, eigene Wünsche zu äußern: was nicht auf der Karte steht, wird nach Möglichkeit ganz schnell herbeigezaubert.

Lokalität: Zum Alten-Calwer
Lederstraße 1
75365 Calw
Telefon: 07051 / 4 09 33
Telefax: 07051 / 36 53
E-Mail: info@alt-calw.de

Dienstag, 26. August 2014

Gold, Geld und Tagesgedeck **


















Pforzheim bei klammem Nieselwetter. Vergessen ist der lockende Ruf als Gold- und Schmuckstadt, der illustre Ruhm als legendäre Heimat des Humanisten Reuchlin. Wachsender Appetit treibt mich durch die Innenstadt, verzweifelt auf der Suche nach einem warmen Mittagstisch.

Ein handgeschriebenes Tagesessen-Schild lockt mich ins Volksbankhaus. Und siehe da: wer ahnt schon, wie nahe Geld und Verpflegung beisammen liegen? Während eine Tür weiter Hunderterscheine und Bausparverträge über den Tresen gehen, sind es im Cafe Stecher eher Sahnetorten und Salatplatten. Da auch Ambiente und Bedienung einen freundlichen Anschein erwecken, nehme ich Platz.


Menge:  für einen Hungrigen eher zu dürftig
Spätzle: ich wage nicht, nach der Herkunft zu fragen
Käse: ganz klassisch: Emmentaler
Zwiebeln: reichlich saftig angeschmelzte Frischware
Viskosität: anständig zähe Fäden ziehend
Beilage: eher ein farbenfroh bemühtes Dekorationselement aus einem überreifem Tomatenachtel, mehreren Salatblättern, zwei Gurkenscheiben und drei Streifen Paprika aus dem Glas
Zubereitungszeit: sehr schnelle 10 Minuten
Abgang: unbemerkt
Preis: 6,80 Euro
Bewertung:  Hübsch anzusehen, rasch serviert und beschwerdefrei verdaut. Dennoch vermisse ich die gastronomischen Finessen und die lang anhaltende Sättigungskraft der weitreichenden Kässpätzle-Thematik.

Lokalität: Cafe Stecher
Im Volksbankhaus
Westliche-Karl-Friedrich-Str. 53
75172 Pforzheim
Telefon:  07231/ 140197

Mittwoch, 20. August 2014

Peynirli eriste **




Türkische Kässpätzle?? Diesen Bauernfang hätten die 3 Mohren gar nicht nötig gehabt! Seit der fulminanten Eröffnung im Mai 2014 beeindruckt das Restaurant am Schafhausener Platz mit gehobener türkischer Küche und gepflegtem Ambiente, nebst historischen Wurzeln und mediterran angehauchtem Aussenbereich. Unser erstes Testessen am Muttertag zog sich zwar bis kurz vor Mitternacht dahin, überzeugte jedoch durch eine ambitionierte Küche und einzigartigem Feeling.

Inzwischen bieten die Mohren täglichen Mittagstisch mit jeweils einem vegetarischen Gericht, sowie zwei weiteren fisch- und/oder fleischhaltigen Menüs. Wenn "türkische Kässpätzle" locken, wird auf  Überraschungseffekte gebaut. Leider konnte der sichtlich gestresste Ober keine hinlänglich überzeugende Erklärung liefern. Der Koch wohl auch nicht. Bleibt ein bedauerliches Schulterzucken...

Menge: ohne Beilage, Vor- und Nachspeise hätten wir Hunger leiden müssen - doch die Summe aller Darbietungen hat uns satt gemacht!
Spätzle: lauwarme Fertigware
Käse: konnte nicht näher eruiert werden
Zwiebeln: Fehlanzeige
Viskosität: elastisches Polymer
Beilage: beachtlich: eine sämige Pilzsuppe als Vorspeise und ein formschöner Pudding mit Pistazienkernen als  Nachspeise - dazwischen ein ordentlicher Beilagensalat mit allen üblichen Komponenten (Blattsalat, Möhrenstifte, Blaukraut, Mais, leichtes Sahnedressing)
Zubereitungszeit: eindeutig zu lange (= eine gefühlte Dreiviertelstunde, bis der Hauptgang, leider schon wieder abgekühlt, unseren Tisch erreichte)
Abgang: leicht, unbeschwert, entspannt
Preis: unglaubliche 5,90 Euro für 3 Gänge
Bewertung:  Geschmacklich mittelmäßige Kässpätzle ohne besonderen Charme. Lediglich die Idee als solche versöhnt, gekoppelt mit einem beachtlichen Aufgebot an mehreren Gängen, zahlreichen Geschirrteilen und langen Wartezeiten.

Lokalität: 3 Mohren
Lange Straße 25
71063 Sindelfingen
Deutschland
Telefon: 07031 677 22 75
Telefax: 07031 677 22 76
Mobil: 0152 28990667

Mittwoch, 13. August 2014

Wurst ist mein Gemüse ****

















Tübingen im ausgelassenen Sommerferienrausch: flanierende Tagestouristen, emeritierte Professoren, bräsige Rentner und aufgehübschte Hausfrauen auf dem Weg zum Markt. Dazwischen überdrehte Kleinkinder auf der Radelrutsch und Alternativ-Studenten im späten Indien-Look.

Wer sich gegen 14 Uhr nicht mit spanischen Tapas und fair geröstetem Espresso zufrieden gibt, sondern herzhafte Küche sucht, ist mit der Wurstküche gut bedient. Das urige Gebäude kann auf eine 200jährige Geschichte mit wechselvoller Nutzung zurückblicken: Domizil des Bürgermeisters und Ballhaus, Schankwirtschaft und Hotel, Quartier der französischen Besatzung und Wurstkuchl nach Regensburger Art.

Heutzutage überzeugt das Lokal durch rustikale, schwäbische Gemütlichkeit und eine zweisprachige Speisekarte, die auch Besuchern aus Regionen nördlich des Spätzle-Äquators eine englische Übersetzung bietet.

Menge: großzügige Portion
Spätzle: gediegene Hausmacherware
Käse: ein gelungener Mix aus Bergkäse und Emmentaler, dessen Mischungsverhältnis ein Geheimnis des Kochs bleibt
Zwiebeln: neben frischen Frühlingszwiebeln auch die frittierte Variante, die entlegen an den Geschmack der Onion Rings von Burger King erinnert
Viskosität: angenehm trocken und dort, wo die Spätzlemasse am Pfannenboden haften blieb, von der Konsistenz eines festen Pfannkuchens
Beilage: die dazu gereichte Salatschale überzeugt durch frische Blattsalate, Kresse, bunte Paprikastreifen und feine Radieschenscheiben
Zubereitungszeit: etwas über eine Viertelstunde
Abgang: sättigt nachhaltig bis spät in den Abend hinein und ersetzt sogar das Vesper
Preis: 11,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Kässpätzle ganz nach meinem Gusto: mit dunklen Röstaromen und rezentem Käse, dazu ein originelles Topping aus frischen Paprika-, Sellerie-, Möhren- und Zucchinistreifen.

Lokalität: Tübinger Wurstküche
Am Lustnauer Tor 8
72074 Tübingen
Tel. 07071 9275-0
Fax 07071 9275-32
E-Mail: info@wurstkueche.com

Freitag, 25. Juli 2014

Mit Schmotz und Schellenkönig ****

















Weiße Rösser traben nicht nur um den Wolfgangsee. Auch in Memmingens Innenstadt begegnet uns neben über 800jähriger Geschichte und traditionsverbundenen Heimatfesten eine lebhafte Gastronomie.

Besonders während des übermütigen Fischertages - einer gelungenen Mischung aus Kölner Karneval, Allgäuer Lokalkolorit und  örtlicher Vereinsmeierei -  ist die gesamte Stadt ausser Rand und Band. Zwischen Büttel, Stadtgarde und Fanfarenzug, zwischen Trommlerbuben und Nähmädle steigt unser Appetit ins Unermessliche. Bis zum Bachausfischen am nächsten Morgen, inklusive kiloschwerer Forellen, können wir keineswegs warten.

Gut, dass uns das Weisse Ross mit Herzlichkeit empfängt.

Menge: eine angenehm sättigende Portion
Spätzle: die angekündigten Allgäuer Spätzle entpuppen sich als herzhafte Knöpfle
Käse: hier sind sich Patron und Chef de Rang noch etwas uneinig: während ersterer Emmentaler und Bergkäse deklariert, vermutet letzterer eher eine Beigabe von Romadur
Zwiebeln: angenehm fettarme und dennoch knusprige Zwiebelstreifen
Viskosität: trockene Knöpfle und zäh geschmolzener Käse gehen eine ideale Verbindung ein
Beilage: grüner Blattsalat mit einem Alibi-Tomatenachtel, einem knackigen Radieschen und frischem Essig-Öl-Dressing
Zubereitungszeit: trotz Fischertag, vollem Haus und steppendem Bär: überschaubare 20 Minuten
Abgang:mmmmhhhhh
Preis: 9,80 Euro (inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Freundliches Ambiente, traditionsreiche Umgebung und feine Zutaten. Die Abwesenheit von schmotzigem Fett und die gefühlte Nähe des Schellenkönigs lassen uns vor Glück erschaudern.

PS.
Besonderer Dank gebührt meiner Osteopathin, ohne deren Hinweis ich Memmingen vielleicht so schnell nicht wieder besucht hätte.



Lokalität: Hotel Weisses Ross
Salzstraße 12
87700 Memmingen
Telefon: 08331 936-0
info@hotelweissesross.de

Samstag, 12. Juli 2014

Treibender Eindruck *



 


Zuweilen ist der schwäbischen Bäckerzunft nicht mal der deutsche Dichterfürst heilig. So prägt die ortsansässige Bäckerei Treiber das große Goethe-Wort "Kein Genuß ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er zurückläßt, ist bleibend" gleich mehrfach auf ihre Servietten.

Zeitlich und räumlich liegt der Treiber heute günstig zwischen Kardiologen- und Kreissparkassen-Termin. Mit etwas flauem Magen entscheide ich mich spontan gegen ein belegtes Weckle und für den warmen Mittagstisch. Schließlich sprechen rustikale Sitzgelegenheiten und ein dicker Stapel Illustrierter für eine ausgiebige Pause. Vielleicht hätte ich es aber doch bei der Goethe-Lektüre belassen sollen...


Menge: eher was für den hohlen Zahn
Spätzle:im Stil von Knöpfle
Käse:  meine Nachfrage löst nur kollektives hilfloses Schulterzucken unter den Service-Damen aus
Zwiebeln: saftig angeschmälzte Frischware wird ganz nach individuellem Wunsch der Spätzlemasse zugesetzt oder weg gelassen
Viskosität: beeindruckende Fäden ziehend, die beim Servieren gleich über den Tellerrand schlabbern
Beilage: der angekündigte Salat entpuppt sich als eine Schippe voll Salatblätter mit Fertigdressing
Zubereitungszeit: ist in 3 Minuten auf dem Teller
Abgang: komplett enttäuschend
Preis: 6,90 Euro (als Mittagsangebot)
Bewertung: Bäcker bleib bei deinen Brötchen.  Gerne goutiere ich das Treiber´sche Dinkelbrot oder das adrette Kleingebäck. Die Kässpätzle vom Mittagstisch sind jedoch eher nicht empfehlenswert. Ausgehungert musste ich noch eine schnöde Brezel als Zugabe bestellen.

Lokalität: Bäckerei Konditorei Treiber
Bahnhofstr. 10
71034 Böblingen
Telefon: 07031/ 777 31 09

Dienstag, 24. Juni 2014

Essa ond Drenga ***

















Soviel Trainspotting war noch nie. Wer ahnt schon, dass Nagold über vier Bahnstationen verfügt? Und die liegen allesamt an der aufmerksamkeitsträchtigen Kulturbahn-Strecke, die auf über 100km Länge kulturelle Vielfalt jeglicher Couleur bietet.

Das Nagolder Bahnhöfle scheint sich vor allem deftiger schwäbischer Ess- und Sprachkultur verschrieben zu haben. Die mit "Essa ond Drenga" übertitelte Karte glänzt mit regionalen Klassikern wie Griebenschmalzbroten, Flädlesuppe und Fleischküchle. Gerne wird dazu eine Hochdorfer Goldkrone oder ein spritziges Mostschorle (0,3 Liter für 2,10 Euro) getrunken - letzteres wahlweise auch mal als exotische Ananas-Mostbowle.

Die Kässpätzle paaren überraschende Röstaromen mit leicht sahniger Grundkonsistenz. Guter Mix!

Menge: deutlich mehr, als zu bewältigen wäre
Spätzle: Hofbauerspätzle der Marke Seitz
Käse: Emmentaler, der Klassiker
Zwiebeln: statt Zwiebeln möchten wir eine Besonderheit anpreisen: aromatisch angeröstetes Paprikagemüse als Deko!
Viskosität: geschmeidig, mit kross angebratenen Stellen
Beilage: in der kleinen Salatschüssel befindet sich ein Achtel Salatkopf am Stück, geschmeidiger Kartoffelsalat und Streifen würzigen Krautsalats - von einem leichten Sahnedressing bedeckt
Zubereitungszeit: kurz und knapp: 10 Minuten
Abgang: macht satt, satt,satt
Preis: solo, ohne Beilagen: unschlagbare 4,20 Euro / mit kleiner Salatschüssel: 6,90 Euro
Bewertung: Sensationeller Preis bei riesigen Portionen und fixem Service. Von der verkehrsgünstigen Lage (drei Schritte vom Bahngleis entfernt, sowie jede Menge kostenloser Parkplätze vor der Türe) ganz abgesehen. Sobald die Spätzle aus eigener Produktion kommen, legen wir noch einen Stern obendrauf. Versprochen!

Lokalität: Gaststätte Bahnhöfle
Bahnhöfle Gastro GbR
Am Bahnhof 2
72202 Nagold
Telefon: 07452 3266
Telefax: 07452 823890
E-Mail: info@bahnhoefle-nagold.de

Samstag, 21. Juni 2014

Humpis, humpis, tätärä **

















Während andere eine Weltreise antreten, beamen wir uns mangels körperlicher Mobilität wenigstens durch die Jahrhunderte. Das Ravensburger Humpis-Quartier schlägt einen beachtlichen Bogen vom 11. bis zum 21. Jahrhundert - emotional, multimedial, durch zeitliche und architektonische Ebenen springend. Ein einzigartiges Erlebnis ist der Besuch des Museums - leider auch der angeschlossenen Gaststätte.

Dort simuliert das gediegene, holzlastige Ambiente und eine regionale, gutbürgerliche Karte eine angenehme Bodenständigkeit. Leider vermitteln die forsch-unfreundlich auftretenden Servicemitarbeiter eine gewisse Reserviertheit gegenüber fremden Eindringlingen. Auch wenn wir mit unseren Silbermünzen klimpern wie schon zu Patrizierzeiten, werden uns nur sehr unwillig die bereits  vorbestellten Speisen dargereicht.

Menge: die Bodendecke eines tiefen, extragroßen Suppentellers füllend
Spätzle: teigige, etwas trockene Knöpfle
Käse: vermutlich eine regionale oberschwäbische Mischung
Zwiebeln: fruchtig und krautig-süß schmeckend, sehr saftig angeschmelzt
Viskosität: von der grundlegenden Trockenheit abgesehen, sehr feine Käsefäden ziehend
Beilage: ein recht frischer, ansprechend angemachter Beilagensalat aus lockeren Blattsalaten, Rucola, schmackhaften Dattel-Tomaten, gehobelten Gurkenscheiben und Paprikastreifen
Zubereitungszeit: trotz Voranmeldung ca. 35-40 Minuten
Abgang: nachhaltigen Durst erzeugend
Preis: 9,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Zum durchaus soliden Speisenangebot und ebensolchem Ambiente wünschen wir uns für die kommenden Jahrhunderte  a) einen eigenen Internetauftritt und b) dringlichst ein freundlicheres Personal.

Lokalität: Gaststätte Humpis
Marktstraße 47
88212 Ravensburg
Tel: 0751 35459891


Dienstag, 10. Juni 2014

Gleis 1 **

















Alles aussteigen - der Zug endet hier!  Auf unseren Kreuz- und Quertouren zwischen Kliniken, Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen, zwischen Schwäb´scher Eisenbahn und Ammertallinie, zwischen universitärem Orbit und vagem Hölderlin-Feeling führen unsere Wege immer wieder nach Tübingen.

Vom Gleis 1 des Bahnhofes purzelt man direkt in dieselbige Gaststätte, die sich seit Jahren den Ruf eines wahren Kult(ur)lokals geschaffen hat. Hier trifft man in Lektüre vertiefte Wissenschaftler, ewige Studenten, alternde Jazz-Liebhaber, einsame Trinker, verirrte Durchreisende und Alleinstehende beim späten Mittagstisch. Das Ambiente bewegt sich zwischen holzvertäfeltem Bahnhofslokal und irischem Pub. Auch gut: Trainspotting auf der Aussenterrasse.

Übrigens sind die Servicemädels so flink und fix und schnell zur Stelle, dass man mit der Bestellung schnell zum Zuge kommen sollte!

Menge: so reichlich, dass mir die Hälfte freundlicherweise eingepackt wird
Spätzle: ihre Provenienz konnte nicht ermittelt werden
Käse: laut Auskunft der Bedienung: Emmentaler (hatte aber eher die Anmutung von Streichkäse)
Zwiebeln: unbedeutend
Viskosität: schlonzig
Beilage: ein Beilagensalat (grüner Blattsalat, geraspelte Möhre, einige frische, gelbe Paprikastreifen nebst Gurkenscheibe und Alibi-Tomatenachtel), der etwas größer ausfällt als der meines Nachbarn mit Tagesessen
Zubereitungszeit: schnelle 10 Minuten
Abgang: leicht und beschwerdelos
Preis: 8,60 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Kultiger Ort, gut zum Aufwärmen, Abhängen und Hungerstillen zwischen zwei Zugverbindungen. Üppige Portionen. Die Kässpätzle sind dennoch zu weich und blass geraten (trotz des Vermerks mit der Fußnote 7) auf der Speisekarte: "mit Farbstoff")

Lokalität: H·A·U·P·T Bahnhof Tübingen
Europaplatz 19
72072 Tübingen
Telefon: 07071 - 31 816
Telefax: 07071 - 35 608
E-Mail: info@hauptbahnhof-tue.de

Montag, 9. Juni 2014

Gouda, Gips und Guckloch ****

















Bad Faulenbach ist das bessere Füssen. So stellt man sich die legendäre Sommerfrische vor: blühende Wiesen, malerische Badeseen, gemächliche Täler, durchquert vom Pfad der Sinne. Zwischendrin eine kreativ gestaltete Minigolfbahn und ein multikulturelles Kneipp-Becken, inklusive lehrreicher Schautafeln zum örtlichen Gipsvorkommen.

Am bislang wohl heissesten Tag des Jahres stranden wir kurz vor einem alpenländischen Gewitter (das dann doch nicht eintritt) an der romantisch gelegenen Waldwirtschaft am Mittersee. Obwohl kurz nach 16 Uhr Hochbetrieb herrscht, ist das schmucke Servicemädel rasch zur Stelle und reicht die große Karte.


Menge: meine beachtliche Kapazität gerät an ihre Grenzen
Spätzle: superkross angebraten, mit herrlichen Röstaromen und genussvollem Biss
Käse: eine gelungene regionale Melange aus Gouda, Emmentaler und Bergkäse
Zwiebeln: Unmengen von glasig angedünsteten Würfelchen (lecker!)
Viskosität: knusprig trocken 
Beilage: ein ausgesprochen gut abgestimmter Beilagensalat mit erdiger Roter Bete, zitrusfruchtig angemachtem Möhrensalat und mit Speckwürfeln verfeinerten Krautstreifen
Zubereitungszeit: 20 Minuten (was auch den temporären Unruhen anlässlich des zu erwartenden Unwetters geschuldet ist)
Abgang: wir sind noch lange danach glücklich, satt und zufrieden
Preis: 9,60 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Romantische Lage, frische regionale Küche und ein neckisches Guckloch auf der Homepage - verspricht nicht das allein schon kulinarische Höhenflüge? Neben den kross in der Pfanne angebratenen Käsespätzle begeistern uns auch die Kräuterseitlinge mit Semmelknödel. Absolut empfehlenswert!

Lokalität: Waldwirtschaft am Mittersee
Badseeweg 5
87629 Füssen - Bad Faulenbach
Tel.: (+49) 8362 - 930 39 30
Fax: (+49) 8362 - 930 39 33
E-Mail: info@waldwirtschaft-am-mittersee.de

Donnerstag, 15. Mai 2014

Spätzle bei Wilhelm Tell **

 
















Das Sindelfinger Schützenhaus wirbt publikumswirksam mit dem Slogan "Das Original ist zurück", einer attraktiven Homepage und einem erstaunlich runderneuertem Innenleben, nebst komplett eliminierter Kegelbahn. Die Anfahrt durch ein kleines Waldstück und die wenig vertrauenserweckende Aussenansicht wirken jedoch eher abschreckend. Dass sich der als "Sonnenterrasse" angepriesene Bereich als öde Bierbank-Oase entpuppt, hebt nicht gerade die Stimmung.

Drinnen reibt man sich jedoch verwundert die Äuglein. So viel Lifestyle-Ambiente hätte man dieser etwas maroden Immobilie gar nicht zugetraut. Chapeau! Der Service ist fix, aufmerksam und rasch zur Stelle. Der Chef wiederum residiert aufmerksam im Back-Office und ruft die verlangten Auskünfte sicher durch den Gastraum. Die hochwertig gestaltete, zweisprachig gehaltetene Speisekarte ist offenbar der Nähe zu den amerikanischen Streitkräften geschuldet.

Menge: weitaus mehr, als der umtriebige Testesser vertilgen kann
Spätzle: werden, wie der Chef Rafael Balado Perez aus seinem Büro hervorruft "frisch bestellt"
Käse: laut Auskunft: Gouda (dabei hätten wir sensorisch auf Emmentaler getippt)
Zwiebeln: einige lätschig geschmälzte, erstaunlich breite Streifen
Viskosität: eher sahnig-soft
Beilage: kann am Salatbüffet auf einem großen Teller selbst zusammengestellt werden. Im Angebot sind: verschiedene Salatsaucen, ein ziemlich trockener Kartoffelsalat, relativ geschmacksneutrale Tomatenscheiben, grüne Bohnen aus der Dose, frischer Blattsalat, zu lange durchgezogener Rettich und einiges mehr
Zubereitungszeit: kurze 10-15 Minuten
Abgang: vollkommen problemlos
Preis: 6,80 Euro (inkl. großem Beilagensalat vom Büffet) als Mittagstisch - oder als Allgäuer Variante mit Speck und Beilagensalat für 8,80 Euro
Bewertung: Hier überschreitet der selbst gesetzte Anspruch die tatsächlich Leistung. Mittelmäßige Küche ohne große Finessen. Nicht mal Pfeffer und Salz stehen auf dem Tisch. Dem Slogan "Noch schöner! Noch leckerer! Noch besser!" würden wir gerne folgen. Wir kommen gerne wieder.

Lokalität: Gaststätte Schützehaus
Mönchsbrunnen 2
71065 Sindelfingen
Tel.: 07031 22 96 99
E-Mail: info@schuetzenhaus-sindelfingen.de