Donnerstag, 12. Dezember 2013

Boulevard der Dämmerung **

















Unweigerlich driften wir auf den kürzesten Tag des Jahres zu. Oder, um es anders auszudrücken: auf die längste Zeitspanne zwischen Sunset und Midnight. Vielleicht nicht der klügste Zeitpunkt, um den Mittagstisch eines eher dämmerigen Lokals in der Twilight Zone auszuprobieren?

Unser heutiges Testlokal liegt im Hinterhof eines als Casino firmierenden Industriegebäudes. Angesichts des gut besuchten Parkplatzes fragt man sich, wo sich all die Auto-Insassen momentan befinden - denn gegen 13 Uhr bin ich der einzige Gast, der sich von der "ausgewählten kreativen Küche" (O-Ton Homepage) anlocken ließ. Oder habe ich einen gut frequentierten Nebenraum übersehen?

Immerhin werden in der Küche fleißig imagnäre Schnitzel geklopft, möglicherweise in Erwartung weiterer Mittagsgäste, die "im angenehmen Ambiente mit mediterranem Flair" die "Alltagshektik einfach mal über den Bord werfen" wollen. Wie auch immer: ich bin dabei!


Menge:großzügige Portion, in einer ovalen Auflaufform serviert
Spätzle: die wurden ganz sicher nicht von Hand geschabt
Käse: laut Auskunft des Kochs, der auch selbst serviert: Gouda
Zwiebeln: echte angedämpfte Zwiebeln (Hochachtung!)
Viskosität: cremiges Mundgefühl
Beilage: fragiler Pflücksalat, der leider übereifrig in Fertigsalatsosse und Balsamico-Creme ertränkt wurde; flankiert von einem geschmacksneutralen Tomatenachtel und zwei ebensolchen Gurkenscheiben
Zubereitungszeit: 20 Minuten, obwohl die Mikrowelle schon nach einer Viertelstunde bimmelte
Abgang: bedauerlicherweise nichtssagend
Preis: 8,80 Euro (inkl. Beilagensalat) von der normalen Karte / 7,50 Euro als Mittagsgericht
Bewertung: Heute bin ich eindeutig zu früh aufgestanden. Möglicherweise boomt dieses Lokal eher in den Abendstunden. Am hellichten Tage macht es auf jeden Fall einen eher suspekten Eindruck. Daran kann auch der günstige, aus Fertigprodukten geschneiderte Mittagstisch nichts ändern.


Lokalität: Sunset Midnight
Schönbuchstr. 37
71032 Böblingen
Tel. 07031 / 4296722
E-Mail: info@sunset-midnight.de

Freitag, 22. November 2013

Klösterliches Schlemmen ****


 
   
Als ausgewiesener Vegetarier hätte ich selbst im Mittelalter gute Karten gehabt und wäre sogar in der Fastenzeit nicht auf Spitzfindigkeiten wie gebratener Schwan oder gesottener Otter angewiesen gewesen. Deswegen blicke ich ganz entspannt auf einen Besuch in Alpirsbach - ob mit oder ohne Klosterbräu!

Allerdings gebärdet sich das Klosterareal im novemberlichen Abendlicht ziemlich düster und abweisend. Fröstelnd pochen wir an die Pforten der Brauwelt und werden mangels Voranmeldung schnöde abgewiesen. Wie tröstlich, dass sich gerade vis-a-vis die einladend beleuchtete Herberge des hiesigen Brauereigasthofs auftut. Hier imponiert ein gepflegt-rustikales Ambiente mit farbigen Butzenscheiben und holzvertäfelter Gemütlichkeit. Und trotz dem jahrhundertalten Joint Venture mit Alpirsbacher Klosterbräu wird mir problemlos ein Rotweinschorle serviert (das nicht einmal auf der Karte existiert).


Menge: eine ansehnliche Riesenportion, deren verbliebene Hälfte mir selbstverständlich eingepackt wird
Spätzle: deftige, griffige Hausmacherware
Käse: ein gefühltes Pfund Emmentaler
Zwiebeln: reichlich Zwiebeln, die der Koch schön gemächlich über einen langen Zeitraum deftig angeschmelzt hat
Viskosität: angenehm und vollmundig an Gummi erinnernd
Beilage: gemischter Beilagensalat mit einem leicht lauwarmen Kartoffelsalat und frischer Kresse als Topping - alles in ein luftiges Sahnedressing getaucht
Zubereitungszeit: eine geschätzte Viertelstunde
Abgang: macht glücklich, zufrieden und satt
Preis: 7,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Geschichtsträchtiger Ort, direkt an den Schienen der Schwarzwaldbahn gelegen. Zu den ausgewiesenen Specials zählt nicht umsonst das Brauherrenwochenende mit Kässpätzle-Essen (selbstverständlich auch für Damen geeignet!). Wo sonst kann der Gast für wenig Geld noch so viel geballte Spätzle-Seligkeit erwarten? Biertrinker sollten den (lohnenswerten!) Besuch unbedingt mit einer Besichtigung der lokalen Brauwelt verbinden.

Lokalität: Brauereigasthof Löwen-Post
Inhaber: Yvonne Stork
Marktplatz 12
72275 Alpirsbach

Tel: 0 74 44 / 9 55 95
Fax: 0 74 44 / 95 59 44
EMail: Loewenpost@aol.com

Montag, 4. November 2013

Zwischen Griebenschmalz und Gaisburger Marsch ****

















Bereits eine Viertelstunde vor Eröffnung der warmen Küche füllen sich die ersten Tische. Und das an einem schnöden Montagabend. Innenarchitektonisch vermengen sich die Braun- und Orangetöne der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit gekonnt gesetzten Akzenten der Moderne. Einige museale analoge Schreibmaschinen, die die Fensterbänke zieren, stehen in reizvollem Kontrast zu den gezückten Smartphones der geschäftsreisenden Hotelgäste. Nur die scheinbare Wärme des Kachelofens bleibt virtuell.

Ein Damenkränzchen kichert sich hüstelnd durch die Tageskarte und wählt dann Kürbiscremesuppe "ohne das ganze Zeug hintenraus" (gemeint sind die Attribute "steirisches Kernöl und geröstete Kürbiskerne"). Eine mutige Wahl angesichts des durchweg bodenständigen Speisenangebots zwischen Schweinskopfsülze, Sauren Kutteln und Gaisburger Marsch.

Menge: eine ovale Auflaufform randvoll gefüllt
Spätzle: schön schlonzig
Käse: Allgäuer Bergkäse
Zwiebeln: mit viel Mehl sehr kross gebratene Zwiebelringe
Viskosität: oben herum auf den Punkt gebräunt und knackig überbacken / unten herum mit etwas zu viel Sahne sehr geschmeidig gemacht
Beilage: dieser Kartoffel-Blattsalat ist wahrlich ein Gedicht: sehr feucht und würzig angemacht, was das hervorragende Aroma der ausgesuchten Kartoffelsorte vorzüglich unterstreicht
Zubereitungszeit: eine halbe Stunde, die mit einem Amuse Gueule von zweierlei Brotsorten mit reichlich Griebenschmalz und mayonnaisigem Kräuterrahm angenehm verkürzt wird
Abgang: die gefühlten 1000 Kalorien des gesamten Arrangements lassen sich erstaunlich gut verdauen
Preis: 8,90 Euro (inklusive Kartoffel-Blattsalat und einem reichhaltigen Gruss aus der Küche)
Bewertung:  Gut besuchte, schwäbische Gastronomie in gemütlich inszeniertem Ambiente. Der Fokus liegt auf traditionsbehafteter Küche. Neben den kross überbackenen Kässpätzle geben auch die adrett gerollten Maultaschen in würziger Bratensauce ein appetitliches Bild ab.

Sympathisch ist die regionale Weinauswahl von den Winzern Currle und Zaiss. Dass für mein Rotweinschorle neuer Wein verwendet wurde, machte ihn überraschend bizzelnd und perlend.

Lokalität: Hotel Sautter
Johannesstraße 28
70176 Stuttgart
Telefon (0711) 61 43-0
Telefax (0711) 61 16 39
info@hotel-sautter.de

Samstag, 19. Oktober 2013

Bechern in der ältesten Stadt Baden-Württembergs ***


















Übrigens: Leser, die diesen Post lieben, werden auch Deutschlands schönsten Weinort schätzen. Und den echt böhmischen Becherovka. Von einem gepflegten Zibärtle mal ganz abgesehen.

Jetzt aber erst mal von vorne: Rottweil präsentiert derart vorzeigenswert seine mittelalterlichen Wurzeln, dass man sichtlich beeindruckt übers Kopfsteinpflaster wandelt. Wenn jedoch verkaufsoffener Sonntag und hartnäckiges Regenwetter zusammenfallen, sind die Plätze im Trockenen beliebt.

Drei Anläufe muss ich nehmen, um im randvollen Goldenen Becher Fuss zu fassen. Mein Kohldampf qualmt wohl derart aus den Nasenlöchern, dass man mich mildtätig am Personaltisch sitzen lässt. Eine gute Gelegenheit, um hinter die Tresen zu lugen und aus erster Hand Küchengeheimnisse zu erfahren.


Menge: eine derart üppige Portion, dass mir die Hälfte eingepackt werden muss
Spätzle: auf mein neugieriges Befragen nach der außergewöhnlichen Grazilität der zierlichen Spätzle, antwortet die Senior-Chefin ungeniert: "So kommet se halt aus der Maschin ...."
Käse: wahnwitzige Mengen von Emmentaler
Zwiebeln: wo sonst traditionell Zwiebelscheiben thronen, breiten sich hier lecker angeschmälzte Semmelbrösel aus
Viskosität: unten herum: ein Spiegel von durch Hitze ausgefälltem flüssigem Fett / mittig: wunderbar zäh / oben herum: knackiger Biß dank Semmelbröseln
Beilage: ein konventioneller Beilagensalat (grüner Blattsalat, Möhre, Rettich) mit einem saftig-würzigen Kartoffelsalat - gerade so, wie er idealerweise sein muss!
Zubereitungszeit: keine Viertelstunde
Abgang: leicht, gut verdaulich - dank Zibärtle-Schnaps
Preis: 8,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Sympathisch familiär geführtes Lokal in einem traditionsreichen Gebäude mit malerischer Fassade. Gut bürgerliche, deftige, weitgehend fleischlastige Küche. Einzigartig, aber durchaus nachahmenswert erscheint mir die hier beschriebene Kässpätzle-Variation mit gebräunten Semmelbröseln: knackig, kross, mit buttrigem Unterton.


Lokalität: Goldener Becher
Hochbrückstr. 17
78628 Rottweil
Tel. 0741/ 7685

Montag, 30. September 2013

Bodenseesterne ****

















Wenn Dunst über dem See liegt und an der Uferpromenade die ersten Kastanien zu Boden purzeln, setzt die kontemplative Jahresezeit ein. Die Tagesausflügler werden rarer; und wer jetzt noch Radolfzell besucht, ist ein wahrer Freund und Anhänger des schwäbischen Meeres.

Wie herrlich, sich nun im mediterran-maritimen Ambiente des Seesterns aufzuwärmen. Unter dem Motto "Geniessen - Entspannen - Stöbern - Kaufen" empfängt uns eine verspielte, farbenfrohe Atmosphäre aus bunten Stoffen, klimpernden Mobiles, satt getünchten Wänden und ideenreichem Klimbim. Ein bisschen, als ob kreative Menschen kunterbunte Flohmarktfunde neu aufgemischt und kombiniert hätten - das alles auf mehreren Halb-Etagen, etwas verwinkelt und unkonventionell arrangiert.

Zubereitet wird frisch: verschiedene Spätzle-Variationen, Tapas-Platten unterschiedlicher Grösse, würziger Gemüsekuchen, leckere Kuchen und Desserts. Ganz nach unserem Gusto!

Menge: was in ein formschönes Porzellanschiffchen passt
Spätzle: filigrane, zart ziselierte, von Hand gepresste, hausgemachte Spätzle
Käse: mal Tilsiter, mal Gouda, mal anderer Käse - alles was "da oben" (es wird großzügig in Richtung  Bauernmarktladen gezeigt) gerade angeboten wird
Zwiebeln: waren nicht zu finden, dafür reichlich Schnittlauch
Viskosität: herrlich zähe Fäden spinnend
Beilage: keine - wir bestellen uns allerdings eine mittlere Tapas-Platte dazu
Zubereitungszeit: 15 Minuten
Abgang: tiefe Zufriedenheit hinterlassend
Preis: 8,80 Euro
Bewertung: Neben der x-beliebigen, standardisierten Fertigware der vergangenen Wochen besticht hier überzeugende Individualität und sichtliche Liebe zu den Lebensmitteln. Das aussergewöhnliche Ambiente und der überaus freundliche, herzliche Service haben zudem einen Sonderstern verdient.

Lokalität: Bistro Seestern
Bahnhofstraße 9
78315 Radolfzell
Telefon 07732 / 820 36 87

Samstag, 28. September 2013

Schwein gehabt ***

















Der Kreis der Freunde und Förderer der Hochschule der Medien lädt zur jährlichen Mitgliederversammlung ein. Just in den (ehemaligen) Stuttgarter Schlachthof -  was für einen Vegetarier einer saumäßigen Herausforderung gleicht! Ist dennoch irgendwie eine sauglatte Idee, oder?

Beeindruckt an den über 40.000 Exponaten des Schweinemuseums vorbeiflanierend, staunen wir über die Vielfalt der (teilweise leicht ferkeligen) Ausstellungsstücke: Glücks-, Spar- und Kuschelschweine aus Gold, Plüsch, Holz, Keramik oder Kork - bemalt, lackiert, beklebt, gegossen, getöpfert oder gehämmert. Selbst ich als bekennender Fleischverächter fühle mich hier sauwohl. Keineswegs bedeutet dieses einzigartige Museum, Perlen vor die Säue zu werfen!! 

Menge: gegenüber den voluminösen Fleischgerichten eher überschaubar, dennoch vollkommen ausreichend
Spätzle: augenscheinlich aus Eigenproduktion, recht locker und luftig
Käse: würziger Allgäuer Bergkäse
Zwiebeln: sehr fein gewürfelte und sacht gedämpfte Zwiebelstückchen
Viskosität: die fluffig-leichten Spätzle und der fein geriebene, geschmolzene Bergkäse gehen eine gelungene Verbindung ein
Beilage: ein ordentlicher Beilagensalat aus Blattsalaten, Gurke, Möhre, Tomate - und einem sämigen Kartoffelsalat, der allerdings etwas mehr Würze vertragen hätte
Zubereitungszeit: unbekannt, da wir zwischen Bestellung und Auslieferung unsere einstündige Mitgliederversammlung gezwängt haben
Abgang: problemlos
Preis: 9,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Imposante Gesamtgeschäftsidee aus Schauen, Staunen, Speisen. Besonders für größere Besuchergruppen und Familienfeiern scheinen die ausladenden Hallen des einstigen Jugendstilgebäudes wie geschaffen. Neben Spanferkel und Schweinebäckchen  bewegen sich die (nicht ganz günstigen) Käsespätzle durchaus im beachtenswerten Mittelfeld.

Lokalität:   Stuttgarter Schlachthof
Schlachthofstraße 2
70188 Stuttgart
Telefon: 0711/ 66419500
Telefax: 0711/ 66419550
E-Mail: willkommen@schlachthof-stuttgart.de



Samstag, 21. September 2013

Urbis et Orbis **

















Um die Entstehungsgeschichte des Ortsnamens Bubenorbis ranken sich die absonderlichsten Legenden. Dass einst ein Bub dem anderen im Streit ins "Ohr biss", dürfte allerdings in den Bereich der wundersamen Märchen gehören. Viel eher gefällt mir da die Erklärung, ein gewisser Bubo hätte durch Rodung der Wälder das umliegende Land urbar gemacht.

Wenn sich im Herbst eine gleißende Septembersonne über die hügelige Landschaft ergießt, zeigt sich Bubenorbis von seiner schönsten Seite: sanft, grün und fruchtbar. Die Wälder sind voller Pilze, überreifer Brombeeren und herumwuselndem Getier.

Beeindruckt von so viel wohlgefälliger Landschaft, spazieren wir des Abends in das einzige Lokal am Ort, das uns selbstredend von unserer Landlady empfohlen wurde. Neben Wildgerichten, Braten und Innereien bleiben dem Vegetarier lediglich Käsespätzle zur Auswahl. Na, das trifft sich ja gut!


Menge: übersichtlich
Spätzle: formschöne Einheitsware
Käse: Edamer
Zwiebeln: einige angeschmelzte Zwiebelstreifen
Viskosität: sahnig bis suppig - diese Mahlzeit könnte glatt als Eintopf durchgehen
Beilage: sehr ordentlich angemachte grüne Blattsalate, fein geschnittene Möhren, Paprika und Radieschen
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: unspektakulär und keinen weitreichenden Eindruck hinterlassend
Preis: 8,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Während wir vor genau 3 Jahren von den kulinarischen Köstlichkeiten der Gegend recht beeindruckt waren, bleibt heute ein eher schales Gefühl zurück. Im Landgasthof Sonne dürften sich alle Carnivoren gut versorgt fühlen - Käsespätzle gehören allerdings nicht zu den Stärken dieses Lokals.

Durchaus empfehlenswert: die selbstgemachten üppigen Semmelknödel, sowie der rezente Rostbraten.

Lokalität: Landgasthof Sonne
Familie Richard und Ingrid Braun
Haller Straße 3
74535 Mainhardt-Bubenorbis
Telefon: +49 (0) 7903 - 2392
Fax: +49 (0) 7903 - 7783
E-Mail: Landgasthof-Sonne@gmx.de

Die Qual der Wahl ***

 


Deutschland wählt! Einen Tag vor der Bundestagswahl setzen wir uns in den Schwäbischen Wald zum Pilzesammeln ab. Angesichts der zu erwartenden Ernte gibt Spezialist Mike eine erste Prognose ab:

80% Semmelstoppelpilze
0,3 % Reizker
0,6 % Parasol
0,8 % Wiesenchampignons
18,3 % Sonstige

Doch vorneweg ist erst mal Stärkung angesagt. Im Herzen der kopfsteingepflasterten Altstadt von Schwäbisch Hall lockt die neue Brasserie Salzsieder mit einer sonnigen Terrasse und einem sympathischen Speisenangebot (Frühstücksvariationen, Flammkuchen, Regionales und Saisonales).

Menge: eine recht dürftige Portion
Spätzle: "Wir stellen unsere leckeren Eier-Spätzle täglich selbst her" verspricht die Karte - auch wenn leichte Zweifel daran aufkommen
Käse: Emmentaler - der Klassiker
Zwiebeln: leider Fehlanzeige
Viskosität: eher trocken bis grisselig
Beilage: statt des erwarteten Beilagensalats mussten wir mit einer überschaubaren Dekoration aus Blattsalaten und gestiftelten Möhren Vorlieb nehmen
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: weiterhin Hunger hinterlassend
Preis: 6,90 Euro (als Tagesessen)
Bewertung: Trotz des günstigen Preises hätten wir etwas mehr Substanz erwartet! Wer weitere 2 Euro investiert, kann eine Anreicherung mit wahlweise Champignons oder Speck bestellen. Hübsch anzusehen und recht schmackhaft: die mit Kürbiskernöl verfeinerte Suppe meiner Begleiterin.

Schulgasse 4 (am Milchmarkt)
74523 Schwäbisch Hall
Telefon: (0791) 9 46 3 777
E-Mail: info@brasserie-salzsieder.de

Sonntag, 8. September 2013

Auf Deutschlands größtem Marktplatz ***

















Der heutige Tag des offenen Denkmals führt uns nach Freudenstadt, auf dessen 4,7 ha großen Marktplatz man gehörig im Carree springen kann. Unsere Besichtigungstouren oszillieren zwischen einem original-historischen Jugenstilhotel aus dem Jahre 1895 und einem gefakt-traditionellen Bierstadel der Neuzeit.

In letzterem baumeln rustikale Holzschlitten neben gefühlten Discokugeln von der Decke und es würde einen nicht verwundern, wenn man auf dem Weg zur Toilette Anton aus Tirol begegne. Die durchweg knackigen Servicemädels tragen hauseigene Tracht zu marathongeeigneten Laufschuhen und scheinen geradewegs vom Step-Aerobic zu kommen. Auch den Gästen seien eiserne Durchhaltekraft und gestählte Ellenbogen anempfohlen, angesichts des schon am späten Nachmittag proppevollen Lokals und der üppig beladenen gußeisernen Pfannen.

Menge: turmhohe Riesenportion
Spätzle: umami-betonte Teigwaren, die beim Erkalten in einen teiglastigen Aggregatzustand übergehen
Käse: schlichter Edamer
Zwiebeln: saftig angeschmelzte und würzig abgelöschte frische Zwiebelscheiben (lecker!!)
Viskosität: oben herum leicht gratiniert, unten herum weicher werdend
Beilage: grüne Blattsalate in Sahnedressing, nebst dem obligatorischen Tomatenachtel
Zubereitungszeit: etwas über eine Viertelstunde
Abgang: ein massives Völlegefühl ist nicht zu leugnen
Preis: 8,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Okay, okay, statt Anton war immerhin schon Xavier vor Ort!! Und Geri, der Ex-Klostertaler. Bei dieser Promidichte sei vor versteckter Kamera gewarnt.

Mit der durchweg bodenständigen Hausmannskost und dem betont rustikalen Ambiente lassen sich entfernte Familienangehörige, durchreisende Bekannte und ausländische Geschäftspartner mächtig beeinrucken. Wer Halli-Galli liebt, fühlt sich hier zuhause.

Lokalität: TURM-BRÄU
Freudenstädter Brauhaus am Markt
Marktplatz 64
72250 Freudenstadt
Telefon:  074 41 / 90 51 21
Telefax:  074 41 / 90 51 22
E-Mail: info@turmbraeu.de

Mittwoch, 4. September 2013

Gastro bei Gottlieb ***


















Vorbei das Sommerloch, vorbei die Sauregurkenzeit (obwohl ein paar Gewürzgürkchen durchaus zu meinen kulinarischen Favourites gehören).

Freundin Marion nimmt mich im Rahmen ihrer Deutschlandrundreise mit in die Daimlerstadt Schorndorf, einem putzigen Vorzeigeort mit schmucken Fachwerkbauten und halsbrecherischem Kopfsteinpflaster. Dass Gottlieb Daimler - der bekannteste Sproß dieser Remstalidylle - nicht nur innovativer Konstrukteur und Ingenieur, sondern auch Sohn eines Gastwirts und Bäckermeisters war, scheint uns ein gutes Omen zu sein.

In bester 1a-Lage am Marktplatz, schräg gegenüber des Rathauses, betreibt das Familienunternehmen Mack ein gut florierendes Cafe und Bistro. Hier treffen sich adrette Damen nach dem Einkaufsbummel, Schüler nach den großen Sommerferien und erschöpfte Touristengruppen nach der Stadtfühung. Dass mir am hellichten Nachmittag selbstverständlich ein warmes Essen serviert wird, ergibt schon die ersten Bonuspunkte.

Menge: alles in allem kaum zu schaffen
Spätzle: bandnudelartige Hausmacherware
Käse:  eine gelungene Mischung aus Bergkäse und Emmentaler
Zwiebeln: die werden sehr innovativ durch chipsig frittierte Möhrenstreifen ersetzt
Viskosität: schlüpfrig
Beilage: ein bunt gemischter Beilagensalat, sowie reichlich getoastetes Brot und Kräuterbutter als Hors d´Ouevres.
Zubereitungszeit: knappe 10 Minuten
Abgang: leicht grummelig bis blähend
Preis: als Mittagstisch: 6,50 Euro / a la carte: 6,80 Euro - jeweils mit Salat und reichhaltigem "Gruß aus der Küche"
Bewertung: Pluspunkte für prominente Lage, freundlich-schwäbischen Service und unschlagbar günstigen Preis. Nur die etwas lätschige Konsistenz der Käsespätzle entspricht nicht vollkommen unseren Vorlieben.

Lokalität: Mack
Marktplatz 4
73614 Schorndorf
Telefon: 07181 / 473 5475
Mail:
info@mack-backwelt.de

Sonntag, 1. September 2013

Fürs Leben gern ein Stuttgarter!














Achtung Werbepause: etwas PR in eigener Sache!

Weil zu schwäbischen Käsespätzle idealerweise ein Schoppen Trollinger oder ein regionales Bier passt, erschien mir der aktuelle Fotowettbewerb von Stuttgarter Hofbräu gerade richtig.

Das spaßige Fisheye-Foto meiner umtriebigen Wandergruppe beeindruckte auch die Hofbräu-Jury und erhob mich geradewegs aufs Siegerpodest:

 Für´s Leben gern ein Stuttgarter! 

Donnerstag, 1. August 2013

Essen macht selig **

 
















Der erste Gültigkeitstag des Beiblatts mit Wertmarke zu meinem neuen Schwerbehindertenausweis will gefeiert werden. Wagemutig und tolldreist treten wir die erste kleine Reise mit dem öffentlichen Nahverkehr an, wobei uns bei annähernd 40 Grad Aussentemperatur die heilklimatische Glücksgemeinde Schömberg als geeignete Destination erscheint.

Nicht nur im gepflegten, mediterran angelegten Kurpark fühlt man sich um Dekaden zurückversetzt. Hier ticken die Uhren noch bedeutend langsamer, so dass das meiner Gehbehinderung geschuldete Schneckentempo gar nicht auffällt. Ein ganzer Nachmittag lässt sich entspannt auf der Gartenterrasse des Kurhauses vertrödeln. Gemäß des hiesigen Mottos: Essen macht selig!

Menge: ausreichend
Spätzle: augenscheinlich Fertigware, mit etwas Petersilie und dem obgligatorischen Tomatenachtel aufgepimpt
Käse: die sind ein Betriebsgeheimnis - lässt uns der Koch ausrichten!
Zwiebeln: komplette Fehlanzeige
Viskosität: zuerst grisselig, nach dem ersten Abkühlen eher körnig bis trocken
Beilage: der leckere Beilagensalat verdient durchaus Sonderpunkte für die frischen Paprikastreifen und die minimalistisch gehobelten und fruchtig angemachten Möhrenstiftchen
Zubereitungszeit: kurze 10 Minuten
Abgang: unbedeutend und nichtssagend
Preis: 8,90 (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Offenbar wird hier vegetarisches Essen mit reizarmer Schonkost verwechselt. Die verfrüht abgekühlten Spätzle entpuppen sich als gesichtsloses, geschmacksneutrales Einheitsmahl fern von jeder individuellen Ausprägung. Das vermeintliche Betriebsgeheimnis lässt wenig Gutes ahnen!

Erfrischender Lichtblick: das erstaunlich durstlöschende Bitterlemon-Schorle. Erfrischender Anblick: die gekonnte Choreografie der Wasserfontänen zu klassischer Musik!

Lokalität:  Kurhaus Schömberg
Schwarzwaldstr. 22
75328 Schömberg
Telefon: 07084/ 9311320
Telefax: 07084/ 9311321

Samstag, 27. Juli 2013

Kupfertopf und Knusperzwiebeln ***

















Auf Recherche-Reise in der südlichsten Stadt Deutschlands. Die Erinnerung an die formidablen Allgäuer Käsespätzle früherer Jahre lässt uns im Vorfeld fast schon das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Doch erst mal läuft das Wasser eher in Sturzbächen die Stirn herunter. Das Thermometer liegt knapp unter die 40-Grad-Marke und der Aufstieg zu unserem Gästezimmer im Gasthof Schäffler gleicht einem mühevollen Erklimmen der Eiger Nordwand. Wie bequem, dass wir das Abendessen gleich im schattigen Biergarten neben dem Haus einnehmen werden.

Sehr vielversprechend und exquisit klingt die Ankündigung der "Käsespätzle aus dem Kupfertopf". Um so enttäuschender wirkt dann der unspektakuläre Metallnapf, in dem man eher Weisswürste ziehen lassen würde.

Menge: gerade richtig
Spätzle: die entpuppen sich - wie überall im Allgäu - als handfeste Knöpfle
Käse: ein besonderer Mix mit sehr rezentem Weisslacker (mehr mag die Wirtin nicht verraten)
Zwiebeln: extrem crispy frittierte Zwiebelknusperle, sowie frische Frühlingszwiebelringe
Viskosität: leichte Fäden ziehend
Beilage: der übliche gemischte Beilagensalat in einer leichten Sahnesauce (lecker: der frische Rettichsalat)
Zubereitungszeit: 20 Minuten bei vollem Haus und extremer Hitze
Abgang: unproblematisch
Preis: 8,50 (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hier war die Vorfreude größer als die servierte Portion. Selbst am sonst im Allgäu üblichen frischen Pfeffer mangelte es. Dafür waren wir über den Grillabend am nächsten Tag restlos begeistert. Doch das ist an anderer Stelle nachzulesen...

Lokalität: Gasthof Schäffler
Eddy Rolinger
Am Anger 8
87527 Altstädten
Telefon: 08321/ 26730

Samstag, 20. Juli 2013

Spätze Tricolore ***

















Bei satten 31 Grad im Schatten treibt uns die Hitze aus der Stadt. Während sich in den Straßen der Asphalt wölbt, steht uns der Sinn nach einem lauen Lüftchen und wogendem Grün.

Den Empfehlungen spätzles-affiner Freunde folgend, bietet sich ein Spaziergang über den Gewann Wasserberg an. Dort lockt am Rande der Kleingartenanlage die von Dieter Ansel ambitioniert geführte Gartenschenke. Die Speisekarte bietet vornehmlich Fleischlastiges (Schnitzel, Fleischküchle, Maultaschen - alles in XL-Portionen) - aber auch Kässpätzle - zu überaus günstigen Preisen. Während der Gastraum den unterkühlten Charme eines Vereinsheims ausstrahlt, würde die Möblierung des Biergartens durchaus eine Feng-Shui-Beratung verdienen. Dennoch navigiert die Service-Dame geschickt durch alle Hindernisse.


Menge: von der Riesenportion wurde mir freundlicherweise die Hälfte für den nächsten Tag eingepackt
Spätzle: die verdanken einer Prise Safran ihre satt goldgelbe Farbe
Käse: die Mischung macht`s: ein gelungener Mix aus Edamer, Gouda und Mozzarella
Zwiebeln: längs geschnittene und sehr saftig-würzig angeschmälzte Streifen
Viskosität: angenehm soft
Beilage: leider schwimmt das farbenfrohe, gelb-rot-grüne Arrangement aus Radieschenscheiben, gestiftelten Möhren, gehackten Frühlingszwiebeln und Chinakohl förmlich in einer essiglastigen Marinade - hier wäre weniger mehr gewesen!
Zubereitungszeit: knapp unter einer Viertelstunde
Abgang: trotz des begleitend konsumierten alkoholfreien Hefeweizens weitgehend blähungsfrei
Preis: sehr günstige 6,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Reichlich schwarzer Pfeffer und geschmälzte Zwiebeln verfeinern mein Leibgericht fachgerecht. Die floral inspirierte Präsentation passt zur Umgebung. Den ehrgeizigen Wirtsleuten würden wir dennoch eine gehobenere Location wünschen!

Lokalität: Gartenschenke
Baumgarten 6              
71032 Böblingen         
Telefon: 07031 / 275524

Freitag, 19. Juli 2013

Come in & see! **

 
















In einem sommerlichen Reigen von Einladungen und Gegeneinladungen führt uns heute die Brandenkopf-Connection in griechische Gefilde aus. Ganz entgegen des anglophilen Mottos des Lokals (Come in & see!)  suchen wir uns einen schattigen Tisch im Aussenbereich und geniessen eher das Gesehenwerden.

Ganz Sindelfingen rüstet zum Höhepunkt der 750-Jahr-Feier auf und hyperventiliert förmlich vor Überschwang. Da wirkt die Gaststätte Planie - nur wenige Schritte vom betriebsamen Marktplatz entfernt - geradezu als Ruhepol. Zahlreiche Stammgäste geniessen den wechselnden Mittagstisch. Heute sind das Fischfilet mit buntem Kartoffelsalat und der Salatteller mit Räucherlachs und Kartoffeltalern der Renner!

Wirt Plioukas Vassilios bedient höchstselbst, serviert zackig und schwungvoll, zeigt sich jedoch unbeugsam gegenüber ungeliebten Fragen. Da kann selbst unser Wunsch nach einem echt griechischen Mokka keine Wogen mehr glätten.

Menge: gerade ausreichend für ein Mittagessen an einem heissen Sommertag
Spätzle: mit der Frage nach der Herkunft verscherze ich es mir nachhaltig:
Käse: hierzu kann oder mag sich der Patron nicht äussern
Zwiebeln: fein gehackt, glasig gedünstet und recht sparsam unter der Spätzlemasse versteckt
Viskosität: tendenziell eher trocken
Beilage: der Beilagensalat (grüne Blattsalate, gestiftelte Möhre und ein Alibi-Tomatenachtel) überrascht hauptsächlich durch einen mit Gewürzgurken verfeinerten Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: nicht nennenswert
Preis: als Mittagstisch unschlagbar günstige 6,20 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Zentral gelegenes Lokal mit günstigem Mittagstisch, das sich einigen Convenience-Produkten ganz legitim bedient. Die Käsespätzle gehören eher nicht zu den Spezialitäten des Hauses, wirken blässlich und etwas fade.

Lokalität: GaststättePlanie
Planiestrasse 9
71063 Sindelfingen
Tel.:07031/8188044
Fax.:07031/7624474

Sonntag, 14. Juli 2013

Käsespätzle auf Italiensch ***

















In unserer Sonderreihe "Kuriosa und Special Effects" präsentieren wir heute: Teigwaren aus dem Parmesanlaib. Sozusagen: Käsespätzle auf Italiensch. Damit wirbt Bruno, der Butler für seinen außergewöhnlichen Catering-Service und für die Tage der Offenen Tür des Hotels am Schlossberg. Ein wahrhaft gelungenes Joint Venture!

An einem heissen Juliabend sind die eng aufgestellten Bierbänke und -tische vor dem Hotel bis auf den letzten Platz belegt. Sommerlich aufgebretzeltes Publikum schwelgt in weinseliger Erinnerung an die letzte Italienreise. Bruno kultiviert publikumswirksam seinen feinen Akzent. Das Büffet mit ausgewählten Köstlichkeiten wird mit schwäbischem Ehrgeiz gestürmt und abgeräumt. Ein wahrhaft gelungener Abend!


Menge: ganz nach eigenem Wunsch
Spätzle: die entpuppen sich - ganz nach italienischem Gusto - natürlich als Spaghetti
Käse: würziger, gut abgehangener Parmesan
Zwiebeln: die können als in Balsamico eingelegte Teile auf dem Beilagenteller konsumiert werden
Viskosität: flutschig
Beilage: alles, was das Büffet hergibt: gegrillte Zucchini- und Auberginenscheiben, Frutti di Mare, rote Paprika aus dem Backofen, mediterranes Gemüse, gemischter Salat und und und....
Zubereitungszeit: das bleibt Brunos Geheimnis
Abgang: es empfiehlt sich ein Grappa (3,00 Euro), gerne auch ein im Eichenfass gelagerter (5,00 Euro) zur Verdauung
Preis: mit 10,00 Euro für das gesamte Italienische Büffet inkl. "Käsespätzle auf Italienisch" ist man bestens bedient
Bewertung: natürlich ragt Brunos Interpretation an den schwäbischen Klassiker nicht annähernd heran, doch wir vergeben Sonderpunkte für Originalität und überraschende Geschmackserlebnisse. Alles in allem haben wir einen ausgelassenen, kulinarisch interessanten Sommerabend erlebt.

Lokalität: Hotel am Schlossberg
Untere Gasse/ Steile Gasse 8
71032 Böblingen
Telefon 0 70 31/7173-0  
Telefax 0 70 31/7173-50
info@hotel-am-schlossberg.com



Bruno der Butler / Genuss Creativo
Bruno Casola
Burgstraße 14
72800 Eningen u.A.
Telefon: +49(0)7121 - 30 176 88
Telefax: +49(0)7121 - 68 08 385
Mobil: +49(0)171 - 17 99 828
E-Mail: info@bruno-der-butler.de

Sonntag, 23. Juni 2013

Am Tisch mit Grimma ***


















Die Ettaler Mühle - bei Einheimischen wie Touristen gleichermassen beliebt - liegt malerisch zwischen Ettal, Oberammergau und Graswangtal. An einem regnerischen Sonntagabend platzt das enge Wirtshaus förmlich aus allen Fugen.

Drinnen quetschen sich einheimische Lodenträger mit disziplinierten tschechischen Reisegruppen und amerikanischen Gästen der nahen NATO-Schule an rustikalen Holztischen zusammen. Der Geruch feuchter Wolle dominiert die Gaststube. Die Amis fotografieren kreischend vor Begeisterung ihre Speisen aus verschiedenen Blickwinkeln (kommt uns irgendwie bekannt vor). Nur das tschechische Kombinat verlässt pünktlich um 19 Uhr das Lokal, um sich geschlossen auf den morgigen Besuch von Salzburg vorzubereiten.

Wir kommen an einem gemischten Tisch mit verhalten neugierigen Eingeborenen und zwei eben aus Grimma angereisten Touristen zu sitzen, die vor dem überfluteten Elbtal ins leider ebenso regnerische Ammergau geflüchtet sind. Als geborene Kosmopoliten bestreiten wir geschickt die Konversation nach allen Seiten und fühlen uns spontan akklimatisiert.

Menge:eine mächtige Riesenportion
Spätzle: kurzbeinige Hausmacherware
Käse: schlichter Edamer, mit etwas Sahne verfeinert
Zwiebeln: leider die regional üblichen knurpseligen Röstzwiebeln
Viskosität: elastische Fäden ziehend
Beilage: grüne Blattsalate mit Fertig-Croutons und Sprossen-Topping
Zubereitungszeit: sensationelle 10 Minuten (trotz vollem Haus)
Abgang: aufrührerisch brodelnd
Preis: 7,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hier steppt der Bär! Die zackige, toughe Bedienung bespielt gekonnt mehrsprachig den ganzen Gastraum. Sowohl meine Käsespatzen als auch der gebratene Leberkäs mit Ei meiner Mitesser entsprechen der landläufigen Vorstellung gutbürgerlicher, rustikaler Küche. Absolut empfehlenswert ist hier die Forelle vom Grill (falls wir in diesem Leben noch eine Outdoor-Saison erleben dürften).

Lokalität: Ettaler Mühle
Ettaler Mühle 1
82488 Ettal
Telefon: 08822/6422
Telefax: 08822/6482

Donnerstag, 20. Juni 2013

Im Schatten von St. Martin ***


















Ich liebe Geschäftsessen: ein bisschen plaudern, ein bisschen fachsimpeln, das Angenehme mit dem noch Angenehmeren verbinden. Heute darf ich mit einem Redakteur der Lokalpresse sehr kommod und entspannt zu Mittag speisen, mit dem Anreiz, der Rubrik "Presse" noch mehr Substanz zu verleihen.

Mein Gegenüber entpuppt sich als wahrer Kässpätzle-Connaisseur und lässt mich an seinem ausgeprägten Geschmack teilhaben. Schwingt nicht in der salzlastigen Käsemischung ein Hauch von Parmesan mit? Würde ein etwas säurebetontes Salatdressing nicht perfekt mit den Spätzle harmonieren? Diverse Zubereitungstipps verinnerlichend, ärgere ich mich kolossal, auf keine Homestory bestanden zu haben. Egal, vielleicht beim nächsten Mal!

Dafür ist das hiesige Outdoor-Ambiente doch zu schön! Der einladende Gastgarten des Lokals liegt zwischen ehrwürdiger Martinskirche und quirliger Ziegelstrasse. Und während ein aufkommendes Sommergewitter durch die Wipfel braust, sitzt man herrlich versorgt im Schatten alter Bäume.


Menge: überschaubar (dürfte gerne etwas mehr sein...)
Spätzle: in bandnudelartiger Form
Käse: eine lokale Eigenkreation aus Emmentaler, Tilsiter,  Gouda
Zwiebeln: saftig angeschmelzte Frischware mit reichlich Röstaromen
Viskosität: soft und schlüpfrig
Beilage: der übliche Beilagensalat mit grünen Blattsalaten, etwas Kartoffelsalat und fein gestiftelten Möhren, mit einem leichten Sahnedressing verfeinert
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: beschwingt und unbelastend
Preis: 9,50 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Herausragender Service und einladendes Ambiente lassen das ältestete Wirtshaus Sindelfingens im Jubiläumsjahr brillieren. Die Kässpätzle bewegen sich im soliden Mittelfeld, gehören aber wahrscheinlich nicht zu ausgewiesenen Highlights des Lokals. Im nächsten Leben würde ich zu gerne die Hirnsuppe goutieren.

Lokalität: Gasthaus Hirsch GmbH
Ziegelstr. 32
71063 Sindelfingen
Telefon : 07031 809006
Telefax : 07031 805332
eMail : info@gasthaus-hirsch-sindelfingen.de

Samstag, 8. Juni 2013

Von Pontius zu Pilatus ***





























Nach zwei herben Enttäuschungen pilgern wir in Oberammergau buchstäblich von Pontius zu Pilatus auf der Suche nach doch noch schmackhaften Käsespatzen. Am Abend meines Geburtstages wird mir dann glücklicherweise eine so wohlschmeckende Version vorgesetzt, dass ich mich letztendlich versöhnt zeigen kann.

S`Wirtshaus verfügt über einen freundlich-rustikal eingerichteten Innenraum, einigen Sitzplätzen an der vorderen Dorfstrasse, sowie einer liebevoll ausstaffierten Terrasse mit einem herrlichen Ausblick auf das gegenüberliegend Pilatushaus samt blühendem Garten. Letzte Sonnenstrahlen tauchen die abendliche Szenerie in satte Goldtöne.

Welch zusätzliches Glück, dass man die auf der Karte geführten "Käse-Schinken-Tomaten-Spätzle" extra für mich modifiziert. Dankeschön!

Menge: eindeutig satt machend
Spätzle: bei den regional bevorzugten Knöpfle hat man endlich mal nicht an den Eiern gespart
Käse: ein rezenter Mix aus der nahen Ettaler Käserei
Zwiebeln: kross, aber nicht zuuu trocken
Viskosität: leicht emulgierend
Beilage: grüne Blattsalate und einige Tomatenachtel mit einem erwähnenswerten Kürbiskernöl-Dressing
Zubereitungszeit: eine knappe Viertelstunde
Abgang: der wird mit einer Ettaler Spirituose erfolgreich besiegelt
Preis: 11,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Na also - es geht doch! Trotz Verzicht auf das übliche anbiedernde Brimborium (gusseisernes Pfännle und dirndlbestückte Bedienung) können am Fusse der Ammergauer Alpen durchaus leckere Käsespatzen serviert werden. Ebenfalls gut gelungen sind die pikant gewürzten Tiroler Hirtennudeln meines Mitessers (8,80 Euro ohne Beilagensalat).

Ein aufmerksamer Service und selbstverständliche Flexibilität bei Umbestellungen runden den soliden Eindruck ab.

Lokalität: s`Wirtshaus
Dorfstrasse 28
82487 Oberammergau
Tel.: +49(0) 08822-948770
Email: info@swirtshaus-ogau.de


Donnerstag, 6. Juni 2013

Passionierte Spätzle **





























Auf Recherche-Reise in Oberammergau. Wo seit 1634 die legendären Passionspiele aufgeführt werden, fühlt man sich der göttlichen Dreieinigkeit gleich viel näher. Besonders wenn man einen begehrten Sitzplatz vor der Alte Post ergattert, die an einer strategisch wichtigen Kurve der zentralen Dorfstrasse gelegen ist.

Hier kann man allen aufgebrezelt vorüberbrausenden Cabriofahrern zuwinken, sowie einen verheißungsvollen Blick auf die Schaufenster einheimischer Holzschnitzkunst werfen. Wer ahnt schon, dass Oberammgergau mit dem weltgrößten geschnitzten Abendmahl aufwarten kann?

Weniger verlockend gestaltet sich unser eigenes bescheidenes Abendmahl. Internationale Gäste und angesagte kulturelle Veranstaltungen sind dem Niveau des Traditionslokals nicht nur zuträglich. Die Servicedame agiert uninspiriert und gelangweilt, das Weinschorle schmeckt abgestanden und schal, selbst die Käsespatzen entpuppen sich als enttäuschender Tiefpunkt.


Menge: nicht übermäßig viel, doch angemessen für den günstigen Preis
Spätzle: derart bröselig-trockene Knöpfle, dass sie mir einzeln von der Gabeln purzeln
Käse: scheinbar nicht vorhanden
Zwiebeln: wie Minitatur-Chips schmeckend
Viskosität: die kloß-artigen Knöpfle liegen wie eingedampfte Pellets ausgetrocknet auf dem Teller
Beilage: Beilagensalat in leichter Sahnesauce: Blattsalate, würziger Rucola, Gurkenscheiben und überraschenderweise mit Kümmel abgeschmeckte Karottenstiftchen
Zubereitungszeit: 25 Minuten
Abgang: vagen Hunger hinterlassend
Preis: 7,40 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Eine Anhäufung von trockenen Teigklumpen im gusseisernen Pfännle machen noch keine Käsespatzen! Die unschlagbare Lage des schmucken Gebäudes und der abendliche Blick auf das Bergpanorama stimmen uns dennoch etwas versöhnlich.

Lokalität: Hotel Alte Post GmbH
Dorfstraße 19
82487 Oberammergau
Postfach 89
82483 Oberammergau
Tel.: 0 88 22 / 91 0-0
FAX: 0 88 22 / 91 0- 100
e-mail: info@altepost.com

Dienstag, 4. Juni 2013

Hundesporthotel **


















Tapeten- und Ortswechsel. Oberammergau lockt mit Alpenpanorama, Lüftlmalerei und kernigen Leut. Hier ist der Himmel kobaltblau und der Ausblick auf das nächste Dirndl grandios. Benommen von all den ungeahnten Eindrücken stolpern wir in die erste verheißungsvolle Location hinter dem Ortseingang.

Das überregional bekannte Hundesporthotel Wolf bietet ein umfangreiches Kurs- und Seminarprogramm nicht nur für den Hund. Selbstredend stehen dem anspruchsvollen Vierbeiner ein Physiotherapiebereich mit Unterwasserlaufband, eine Magnetfeldmatte und ein eigener Kühlschrank mit Leckerli bereit.

Unsereins empfiehlt sich der Weg eher in die angegliederten Hafner Stub`n. Beeindruckt nehmen wir Platz inmitten von Wandmalereien aus Szenen der Oper "Freischütz". Doch obgleich Ambiente und Service vielversprechend daherkommen, entdecken wir mehr Schein als Sein. 

Der "Gruß aus der Küche" entpuppt sich als aufgeschnittene Semmel, der Salat entbehrt jeglicher Würze und die Kässpätzle sind weitgehend geschmacksneutral. Schade: dabei war alles so schmackhaft angerichtet!

Menge: genau richtig
Spätzle: teigige Knöpfle
Käse: aus dem nahen Ettal kommend, doch überraschenderweise sehr fade und nichtssagend
Zwiebeln: knurpselig
Viskosität: trocken
Beilage: ein hübsch anzusehender, jedoch völlig eindrucksloser Beilagensalat mit Kresse, grünen Blattsalaten, gestiftelter Möhre, etwas Tomate und dicken Bohnen
Zubereitungszeit: 15 Minuten
Abgang: schwer verdaulich
Preis: 9,00 € (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Selten war der äussere Anschein so blendend, jedoch die inneren Werte so vernichtend! Die Darreichung im gußeisernen Pfännle, wunderschön mit frischen Kräutern dekoriert, lässt Gaumenfreuden erwarten, die jedoch zu bitterer Enttäuschung führen. Die Speisen sind weitgehend fad und lassen jeglichen  Geschmack vermissen.

Lokalität: Hotel Wolf
Hafner Stub`n
Dorfstr. 1
82487 Oberammergau
Telefon 08822-9233-0
Telefax 08822-9233-33

Donnerstag, 23. Mai 2013

Tu felix Suebia ***


















Heute empfiehlt mir mein Trend-Scout aus dem Back Office wärmstens den Besuch des Cafe Felix. So flaniere ich durch unbekannte Stuttgarter Ecken und konstatiere staunend, dass mir das Wiener Museumsquartier bekannter vorkommt als das Stuttgarter Bosch-Areal. Das muss sich ändern.

Apropos Wien: die riesigen Hallen des Felix wirken wie eine gekonnte Kreuzung zwischen österreichischem Kaffeehaus und bayrischem Bierkeller, in warmen Brauntönen möbliert und unterlegt mit einem leicht jazzigen Soundtrack im Hintergrund. Kein schlechter Mix!

Tragisch nur der Moment, als mir die Servicedame eröffnet, dass die Kässpätzle der vergangenen Wochenkarte angehören, nicht der aktuellen. Doch der Koch lässt sich erweichen und zaubert exklusiv für mich noch einmal das schwäbische Leibgericht. Danke, das ist mehr als eine lohnende Erwähnung wert!

Menge: genau richtig
Spätzle: normalerweise selbstgemacht, heute - schnell improvisierend - Fertigware aus dem Hause Schmid
Käse: ein kräftiger Emmentaler
Zwiebeln: saftig und würzig geschmälzt; nicht zu sparsam dosiert
Viskosität: in warmem Zustand feine Spinnwebfäden ziehend
Beilage: ein hübsch anzusehener, leider geschmacklich uninspirierter Beilagensalat aus grünem Blattwerk, gestiftelten Möhren, gewürfelter Gurke und Tomate
Zubereitungszeit: so rasch, dass ich nicht mal auf die Uhr blicken kann
Abgang: herzhaft, jedoch leicht
Preis: 8,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Pluspunkte für den sehr aufmerksamen, ehrlichen Service und die flexible Küche. Die wohlschmeckenden Kässpätzle werden recht ansprechend mit frischer Deko und reichlich Schnittlauchröllchen serviert. Gerne komme ich mal mit Freunden zum Sonntagsbrunch wieder oder greife  abends zur umfangreichen Getränkekarte.

Lokalität: Café Felix GmbH
Robert-Bosch-Platz 1
70174 Stuttgart
Telefon: +49.711 9978784
Telefax: +49.711-9978786
E-Mail: cafefelix.stuttgart@web.de

Dienstag, 7. Mai 2013

Spätzle für Noah ****

 
















Kaum zeigt sich die erste Maisonne über Stuttgart, hyperventiliert die ganze Stadt. Es wuselt und wimmelt an allen Ecken und Enden.

Einen ruhigen, beschaulichen Platz mitten im tosenden Epizentraum suchend, werde ich zufällig an die Gestade des Restaurants Arche gespült. Gegenüber der Markthalle leuchtet der Name des Lokals in geschwungener Schreibschrift auf terrakottafarbenem Grund. Gepflegte Teaktische und -stühle laden zum Draussensitzen ein. Und verheißt nicht das Attribut "Vinothek" ein ansprechendes Getränkeangebot?

Leider verströmt mein gewählter Platz so viel Beschaulichkeit, dass es mich einige Mühe kostet, einen Ober auf mich aufmerksam zu machen. Doch als ich einmal erfolgreich registriert werde, geht es schließlich ratzfatz voran.


Menge: in den Tiefen eines unglaublich ausladenden Tellers finden erstaunliche Mengen Platz
Spätzle: wohlgeformt
Käse: die Mischung macht´s: ein gehaltvollerer Mix verschiedener mächtiger Käsesorten ist mir noch selten untergekommen

Zwiebeln: üppig, reichhaltig, tiefbraun angeschmälzt und im Geschmack nicht mehr zu toppen!
Viskosität: massiv
Beilage: hier schlägt sehr sympathisch die mediterrane Note durch: ein frischer Salat aus Rucola, roten Zwiebeln und Tomaten, nebst lauwarmen Pizzabrötchen
Zubereitungszeit: beeindruckend rasche 10 Minuten
Abgang: mein Sättigungszentrum schlägt vor Begeisterung Purzelbäume
Preis: 10,50 Euro (inklusive Beilagensalat und Brötchen)
Bewertung: Mit diesen sensationellen Käsespätzle rudert Noah locker einmal über die Weltmeere:  gehaltvolle und opulente Mischung mit beeindruckend aufgehäuften Zwiebelmassen (die man sich auch prächtig auf einem Rostbraten vorstellen kann!). Wechselnde Tagesgerichte und mediterrande Köstlichkeiten runden das Speisenangebot ab.


Lokalität: Hotel-Restaurant und Vinothek Arche
Bärenstr. 2 
70173 Stuttgart 
Telefon: 0711 / 24 57 59 
Telefax: 0711 / 25 996 02 

Samstag, 4. Mai 2013

Festakt, Feuerwerk, Fässle ***

















Sindelfingen im Rausch der 750-Jahr-Feier - zwischen Festakt und Feuerwerk, zwischen Publikationen und Projekten, zwischen Sindolf-Bier und Kuchenritt. Freudentrunken taumelt die Stadt durch ihr eigenes Jubiläumsjahr.

Ich dagegen wanke eher über die brüchig gewordenen Zebrastreifen aus legendärem Carrara-Marmor in Richtung Marktplatz. Noch sind die Mai-Abende zu kühl, um draussen zu sitzen. Doch sind die dunkel gebeizten Räume des Restaurants "Fässle" nicht zu trist, um drinnen zu speisen?

Großflächiger Rauputz, braune Klinkerfliesen und rustikales Mobiliar lassen auf gediegene Gastlichkeit schließen. Überaus herzliche Service-Damen und mehrere laufende Meter der Zeitschriften "Feinschmecker" und "Slow Food" zerstreuen meine letzten Zweifel. Nicht mal den obligatorischen Katzentisch gibt es hier, so dass ich auch als Single großherrschaftlich residiere!


Menge: die kleine Portion als Sonderwunsch sättigt vollauf
Spätzle: buttrig, aber nicht sahnelastig, dafür leicht kross gratiniert
Käse: reiner Edamer
Zwiebeln: ein minimaler Hauch von Röstzwiebeln (das nächste Mal bitte, bitte mehr!!)
Viskosität: tendenziell angenehm trocken, mit elastischen Käsefäden
Beilage: einige überschaubare Blätter grüner Blattsalate in Vinaigrette
Zubereitungszeit: rasend schnelle 10 Minuten
Abgang: fein und leicht
Preis: 7,50 Euro für die kleine Portion, 8,80 Euro für die Normalportion (jeweils inklusive kleinem Beilagensalat)
Bewertung: Ehrliche, bodenständige Küche ohne überflüssiges Chichi. Ein Tomatenachtel als Deko muss ausreichen, dafür überzeugen Service (sehr aufmerksam!), Geschmack (vorzüglich!) und Preis (absolut angemessen!). Auch für fleischliebende Carnivoren ist dieses gemütlich Lokal ein wahres Eldorado.

Lokalität: Fässle
Marktplatz 4/1
71063 Sindelfingen
Telefon: 07031/ 814398
Telefax: 07031/ 814398

Sonntag, 24. März 2013

Wie Wagner in Wangen ***
















Ungeschickter hätte mein Einstand im Landgasthaus Adler kaum sein können. Als ich die Patronin Rosemarie Hangarter nach der Behindertentoilette frage, ernte ich ein herzhaftes Lachen. Nein, so etwas gäbe es hier nicht, meint die umtriebige Chefin - sie selbst werde dieses Jahr 72, ihr Mann sogar 80 und man sei immer ohne ausgekommen, da lohne sich jetzt auch kein Umbau mehr...

Während ich beschämt die geschwungene Treppe zur Damentoilette ins obere Stockwerk erklimme,  schwöre ich mir insgeheim, zukünftig den Spätzlekonsum zu drosseln und mehr an meiner Fitness zu arbeiten.

Doch wenige Minuten später sind alle guten Vorsätze vergessen. Das Gasthaus Adler in der Bodensee-Gemeinde Wangen gibt ein perfektes Landhaus-Ambiente ab, gepaart mit einer gutbürgerlichen Speisekarte und handfestem Charme. Der große Speisesaal ist dekoriert wie das Bühnenbild zu einer opulenten  Wagner-Oper (Wandmalereien, Klavier, Blütendekorationen). Ebenso üppig fallen die Portionen aus!

Menge: überreichlich
Spätzle: saftige, hausgemachte Knöpfle
Käse: damit wurde absolut nicht gegeizt - nur die Käsesorte mag uns Frau Hangarter nicht verraten
Zwiebeln: jede Menge glasig gedünstete Frischware
Viskosität: ein herrliches Netzwerk üppiger Fäden ziehend
Beilage: frische Blattsalate mit Möhren- und Rettichstiften, rezent gewürzt und mit einem sahnigen Dressing versehen
Zubereitungszeit: in angeregte Gespräche verstrickt, vergesse ich ganz, auf die Uhr zu schauen
Abgang: ohne nennenswerte Schwierigkeiten
Preis: 10,80 (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Herzhafte Küche, bodenständige Gerichte und geradliniger Umgangston. Wie häufig am Bodensee werden auch hier Knöpfle serviert. Ebenfalls empfehlenswert: der feine Tafelspitz mit Meerrettichsauce.

Lokalität: Landhaus Adler in Wangen am Untersee
Kirchplatz 6 

78337 Öhningen-Wangen 
Telefon: 07735 / 724 
info@adler-wangen.de