Freitag, 29. September 2017

Mehr haben mit Multikulti **



Kässpätzle beim Türken kommen uns immer etwas spanisch vor. Doch der quirlige, stets zu Scherzen aufgelegte Ober des Merhaba versichert uns, der hiesige Koch hätte in Schwaben gelernt und die Kässpätzle seien bei den Gästen sehr beliebt. Tja, schlechte Zeiten für Köfte, Moussaka und Sigara Böregi.

Vom lauen Herbstwetter inspiriert, eröffnen wir wieder die Freiluftsaison und nehmen auf der Terrasse Platz. Der Service zieht mit und rollt spontan einen farbenfrohen Tischläufer aus. Merhaba!

Menge: reichlich
Spätzle: Fertigteigwaren (wir ersparen uns die obligatorische Frage nach der Herkunft)
Käse: offenbar ein "würziger Emmentaler, speziell für Kässpätzle" (wie der Ober auf Nachfrage deklamiert)
Zwiebeln: die offerierten "Röstzwiebeln" sind eher zart gedämpft
Viskosität: schlonzig und butterweich
Beilage: ein leider indiskutabler kleiner Salat, der im Sahnedressing untergeht - davor eine grandiose Gemüsesuppe mit getoasteten Baguettescheiben, danach eine ebenfalls hervorragend gelungene Crème-Caramel-Interpretation
Zubereitungszeit: keine Ahnung - die verschiedenen Gänge trudeln zeitlich versetzt ein und lassen nie Langeweile aufkommen
Abgang: gut sättigend bis zum Abend
Preis: unglaubliche 6,50 Euro (als 4-Gänge-Mittagsmenü)
Bewertung: Die gelungene Vor- und Nachspeise, sowie der phänomenale Preis würden zu uneingeschränktem Lob verleiten. Allein die Kässpätzle - der eigentlich Grund meines Besuches - sind nicht gerade der Hit! Beim nächsten Mal vielleicht doch lieber Moussaka?

Lokalität: Restaurant Merhaba
Breslauer Str. 15
71034 Böblingen
Tel: +49 7031 68 69 20
E-Mail: info@restaurant-merhaba.de

Freitag, 1. September 2017

Mops Jackson mopst nicht mal ein Spätzle ***

 


Die Naturfreundehäuser, in denen wir während der letzten Monate zu Gast waren, changierten zwischen zweckmäßiger Einrichtung + ruppigem Personal und liebevoll gestaltetem Ambiente  + herzlichem Service.  Glücklicherweise gehört das Nagolder zur zweiten Kategorie. Wozu auch die anmutige Lage mit Blick auf Streuobstwiesen und die Burg Hohennagold beiträgt.

Pünktlich zum Monats- und Jahreszeitenwechsel kommt es zum großen Temperatursturz. Bibbernd und regennaß betreten wir die gemütliche Wirtsstube. Kaum auf der Eckbank Platz genommen, kuschelt sich auch schon ein feuchtes Fellbüschel an uns.

Menge: eine mächtige Portion, geradewegs für hungrige Wanderer und Biker konzipiert
Spätzle: vollschlank und vollmundig
Käse: selbst die Chefin ist sich unsicher: entweder Emmentaler (was wir bestätigen könnten) oder eine Spätzleskäs-Mischung
Zwiebeln: grazile, karamellige Röstzwiebeln
Viskosität: sahnig
Beilage: 3-Schicht-Betrieb im Einmachglas: knusprige Sommenblumenkerne auf knackig-frischen Blattsalaten auf leckerem Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: Hausmops Jackson gestaltet uns die kurze Wartezeit so vergnüglich, dass wir jegliches Zeitgefühl vergessen
Abgang: ganz anstandslos, auch dank eines fruchtig-aromatischen Himbeergeistes (2,30 Euro)
Preis: 9,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Solide, gefällige Kässpätzle mit kreativem Anstrich (breitpinselig auf dem Tellerrand aufgetragen), sowie ansprechend präsentiertem Beilagensalat. Ausserhalb der Wertung, aber überaus  positiv anzumerken: die grandiosen hausgemachten Haselnuss-Gnocchi mit Pfifferlingen (14,90 Euro).

Lokalität: Naturfreundehaus Nagold
In den Mulden 1 
72202 Nagold
Tel. 07452/4147
E-Mail: info@Naturfreundehaus-Nagold.de

Mittwoch, 9. August 2017

Rustikale Ranch ***


Verkehrte Welt: während wir noch letzte Woche echt Allgäuer Kasspatzen im vermeintlich griechischem Ambiente goutiert haben, wird nun das ferne Allgäu ins hiesige Heckengäu zitiert.

Ansonsten bietet das Renninger Golfer- und Reiterstüble Hippocampus 1a schwäbische Speisen, über die noch meine Eltern jubiliert hätten (Ochsenmaulsalat, Luggeleskäs, Linsen und Spätzle...) Auch das Ambiente erinnert stark an die Ranch von Onkel Bernhard, inklusive Pferdekoppel und holzlastiger Gemütlichkeit. Grund genug, um mich erst mal wohl und heimisch zu fühlen.

Menge: sooo viel hätte es nicht sein müssen: selbst mit Mithilfe meines Begleiters war diese Portion nicht zu schaffen
Spätzle: diese zerkochte, überweiche Masse erinnert vage an Grießbrei
Käse: ausgiebige Fäden ziehend - und das nicht zu sparsam!
Zwiebeln: die angekündigte Zwiebelschmelze ist feingehackt und von hellblonder Farbe
Viskosität: auch wenn "die Frau vom Chef und Servicekraft" versichert, dass so nun mal Allgäuer Kässpätzle seien, mag ich mich mit dieser weichen, breiartigen Substanz nicht so recht anfreunden
Beilage: ein ordentlicher, vielseitiger Beilagensalat aus: Blatt- und Kartoffelsalat mit Möhre, Tomate, Gurke, Radieschen
Zubereitungszeit: etwas über eine Viertelstunde
Abgang: nur mit geöffnetem Hosenknopf schaffe ich es nach Hause
Preis: 9,20 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Rustikaler Ort für alle Pferde- und Naturfreunde, Schnitzel- und Hausmannskostliebhaber. Nur die Interpretation meiner Leibspeise traf nicht komplett meinen Geschmack.

Lokalität: HIPPOCAMPUS
Kriegsbäum 2
71272 Renningen
Tel: +49 160 91 34 82 74
E-Mail: awullinger@yahoo.de

Von Kasspatzen und Schafkopfen **


 
Die Abgeschiedenheit des Allgäuer Ortes am Rottachsee schreckt uns kaum. Auch nicht das durchlebte Ambiente der 60/70er Jahre. Dieses Gastlokal hat seine besten Touristenströme bereits um unzählig servierte Schweinsbraten schon hinter sich.
 
Menge: Minipfännle, Portion "Gesamtschule" (nicht zu viel, am Nachmittag findet schließlich noch Unterricht statt), nix für Hungrige, doch für Testesser (mit Hang zum nur mal "schnabulieren")
Spätzle: für unsereins eindeutig Knöpfle. Man beharrt: "Knöpfle sind doch Spätzle!"
Käse: "Ha, Emmentaler! Und was wir so an Resten haben." Die Reste sind heute eindeutig ausdrucksloser Emmentaler.
Zwiebeln: heißen hier Schnittlauch, sind überschaubar per Handstreich der Portion angeglichen flugs darüber geweht
Viskosität: nicht vorhanden, weil Knöpfle
Beilage: Sauereingelegtes dem Lagereimer entnommen, plus Kopfsalat, müde gewürzt
Zubereitungszeit: halb Liter Bier für Durstige (15 Minuten)
Abgang: nach etwa einer Stunde, von dort, wo wir herkamen - durch die Eingangstür
Preis: der überschaubaren Leistung angemessen: 6,80 Euro
Bewertung:  Hier ist das alt tradierte Allgäu noch in Ordnung. Ältere Herrschaften des Ortes treffen sich mittags unterm Rehgeweih zur halben Maß und zum Schafkopfen. Sonst können wir leider keine weiteren Trümpfe im Lokal entdecken. Außer, dass das große Peststerben (von 1635) fast 400 Jahre vorüber ist.

Lokalität: Gasthof Pension Löwen
Schachenstraße 1
87466 Oy-Mittelberg / OT: Petersthal

Tel: 08376/929784

Montag, 31. Juli 2017

Reise in den Süden ****

















Schluss mit der Sommerpause - rein ins hochkalorische, herzhafte Vergnügen! Nach über 6 Wochen Abstinenz lockt das Allgäu als ausgewiesenes Kässpatzen-Land. Doch am Zielort erst mal tote Hose. Das verschlafene Wertach war vielleicht in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein touristischer Hotspot. Heutzutage muss man lange durch die Straßen cruisen, um überhaupt mal ein offenes Lokal zu finden.

Optisch würde man den Olivenbauer eher in südländischen Gefilden verorten, doch die Speisekarte rubriziert unter "Heimweh" eine ganze Reihe Allgäuer Spezialitäten. Erleichtertes Aufatmen! Also müssen wir den Hunger doch nicht mit Pfannengyros und Tsatsiki stillen.

Menge: diese Riesenportion ist selbst für einen hungrigen Gourmand nicht zu annähernd schaffen - gottseidank packt der Service in weiser Voraussicht gleich die Reste ein
Spätzle: mollige, knöpfleartige Exemplare
Käse: vollmundiger, würziger Bergkäse mit Emmentaler
Zwiebeln: selbstgemachte knackig-krosse Röstzwiebeln zum Sattessen
Viskosität: angenehm gummiartig und kompakt
Beilage: der an sich unspektakuläre grüne Salat wird von einer sensationellen, hausgemachten dunklen Senfmarinade gekrönt, die man sich am liebsten literweise abfüllen möchte
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Abgang: macht gleich 2x pappsatt (die Reste gibts zum Abendessen)
Preis: überaus günstige 8,90 Euro (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Mediterrane Speisen mit Allgäuer Traditionskost zu kreuzen und das Ganze in einem leicht shabby Ambiente zu servieren, mag ein gelungener Marketing-Gag sein. Wir waren von Geschmack, Kreativität und Preis auf jeden Fall begeistert.

Lokalität: Beim Olivenbauer
Marktstr. 46 
87497 Wertach
Tel. 08365 /1818
E-Mail:
info@beim-olivenbauer.de

Samstag, 17. Juni 2017

Schwarzwald-Fake **


















An Orten, die vor einem Kloster Döner nicht zurückschrecken, muss man - lukullisch gesehen -  mit dem Schlimmsten rechnen. So wählt der konservative Spätzle-Esser sicherheitshalber eine gastronomische Location, die traditionsreiche Heimatverbundenheit suggeriert. Dass sich dies als folgenschwerer Trugschluss erweist, zeigt sich leider viel zu spät.

Weder die flinke Servicedame, noch der Chef oder gar der Koch scheinen schwäbische Wurzeln zu haben, sind nachgerade meilenweit davon entfernt. So entpuppen sich die schwarzwälderisch angehauchten Käsespätzle eher als Potemkinsche Dörfer. Nur weit angereiste Touristen mögen sich von solchem Blendwerk täuschen lassen. Ich schlinge tapfer die Enttäuschung hinunter und freue mich schon auf das Frühstücksbüffet am nächsten Morgen.

Menge: dass ich nicht die ganze Portion esse, liegt nicht an ihrem Umfang
Spätzle: einheitlich geformt
Käse: der Chef verkündet, wie aus der Pistole geschossen: Gouda
Zwiebeln: eher Fehlanzeige
Viskosität: die oberflächlich gebräunten Spätzle schwimmen in einer suppigen, fast flüssigen Substanz, die an warm gemachten Streichkäse erinnert
Beilage: ein ärmlicher Beilagensalat aus echten, aber substanzlosen Zutaten
Zubereitungszeit: kaum eine Viertelstunde
Abgang: einen fahlen Nachgeschmack latenter Enttäuschung hinterlassend
Preis: für die Leistung nicht ganz angemessene 10,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Weniger Suppigkeit und höherer Bräunungsgrad könnten aus diesem gut gemeinten Versuch durchaus noch akzeptable Kässpätzle machen. Es ist nie zu spät!

Lokalität: Schwarzwaldstube
Kurpromenade 5
76332 Bad Herrenalb
Tel.:  07083/2298

Samstag, 20. Mai 2017

Gut gehopft ***

















Manche Landgasthöfe wirken wie eine Kreuzung aus Freilandmuseum und Disneyland. Plus einer Überdosis an Lokalkolorit. Auch im Brauereigasthof Schäffler haben Innenarchitekten, Eventmanager und Marketingspezialisten ihre Bestleistung vollbracht. Ein idealer Ort für Betriebsausflüge und Familienfeiern.

Wer nicht nur den Hopfen im Kopf hat, kann hier auch zünftig an Schweinshaxen nagen oder sich sein Essen selbst brutzeln. Natürlich stilgerecht zwischen Zapfanlage und Schnapsbrennerei. Als bemerkenswerte Koninzidenz werden meine Allgäuer Kässpatzen im gleichen Porzellanschiffchen serviert wie zuvor schon die Allgäuer Käserahmsuppe meines Nebensitzers.

Menge: mehr als ausreichend
Spätzle: voluminöse Knöpfle
Käse: eine Melange aus Emmentaler, Bergkäse, Limburger, Weisslacker
Zwiebeln: musig-würzig-marmeladiges Zwiebel-Topping
Viskosität: Käsemix und trockene Knöpfle gehen leider keine verbindende Symbiose ein
Beilage: ein Viertel Kopf Frisee-Salat
Zubereitungszeit:   keine Ahnung - in froher Runde haben wir komplett die Zeit vergessen
Abgang: zur Verdauung empfiehlt sich ein zarthopfiger Bierbrand
Preis: haarscharf kalkuliert: 9,90 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Eventgastronomie mit gestyltem Lokalkolorit. Ein Landgasthof wie aus dem Bilderbuch. Die grundsoliden Speisen lassen allerdings eine persönliche Handschrift vermissen.

Lokalität: Brauereigasthof Schäffler
Hauptstraße 17
87547 Missen
Tel.: +49 8320 920-0