Montag, 16. Januar 2017

Ein Leben ohne Spätzle?
















Fundstück im Radolfzeller Seestern....

Samstag, 7. Januar 2017

Zur Krippe her kommet... ***

 
















Not- und Zufall liegen oft nah beisammen. Welch Glück, dass Maria und Josef einst eine Unterkunft mit Krippe gefunden haben. Und wir 2000 Jahre später eine offene Herberge gleich neben dem Krippenmuseum.

Dass dort auch noch wohlschmeckende Kässpätzle serviert werden, bietet unerwartete Stärkung und Trost an einem frostigen Winterabend. Die Speisekarte listet so viel deftige Hausmacherkost auf, dass mit Sicherheit auch Fleischliebhaber glücklich werden. Freunde regionalen Bieres ebenso.


Menge: die bestellte "kleine Portion" entpuppte sich glatt als doppelte oder dreifache
Spätzle: hier bewahrheitet sich meine These: je südlicher, desto knöpfleartiger
Käse: ein vollmundiger Emmentaler-Bergkäse-Mix - und davon nicht zu wenig!
Zwiebeln: jede Menge knurpselige Röstzwiebeln
Viskosität: kompakt und massiv
Beilage: der dazu bestellte kleine Beilagensalat würde allein schon satt machen und überzeugt mit frischem Feldsalat, würzigem Kartoffelsalat, gestiftelten Möhren, Rettich, Kraut plus zwei Tomatenachteln und einem Topping aus knackigen Sprossen
Zubereitungszeit: der Salat wurde nach 15 Minunten, die Spätzle gut 10 Minuten später kredenzt
Abgang: so pappsatt habe ich mich selten gefühlt
Preis: 7,00 Euro (für die offiziell "kleine Portion") plus 3,60 Euro (für den extra georderten Beilagensalat)
Bewertung: Gemütliches Ambiente, freundlicher Service und enorme Portionsgrößen verleiten zum Wiederkommen.

Lokalität: Gasthof zum Adler
Kirchplatz 31
89613 Oberstadion
Tel. +49735792050
E-Mail: info@adler-oberstadion.de 

Freitag, 6. Januar 2017

Bürger, Burger, Brauhaus **


















Schon beim Betreten der riesigen Hallen ergreift nich latenter Schwindel: eine wahre Armada emsiger Servicekräfte umschwirrt 280 Plätze, untermalt von einem grandiosen Gräuschpegel aus Geschirrklappern, Kindergeplärre und Gesprächsfetzen. Lange Holzbänke und -tische imitieren ein zünftiges  Brauhaus, internationale Besuchergruppen huldigen "pork shanks" und "swabian pasta".

An den Wänden historische Fotos der letzten beiden Jahrhunderte vom "Oberamt Böblingen", stattlichen Mannsbildern und fliessigen Frauen. Instintiv suche ich nach meinen Vorfahren, die keine 500 Meter von manchem Aufnahmeort gewohnt haben. Das ist durchaus noch weitere Recherchen wert!

Menge: was ursprünglich überschaubar wirkt, sättigt dann in Kombination mit einem Beilagensalat doch für etliche Stunden
Spätzle: die kommen von Bürger
Käse: auf meine Anfrage antwortet die Servicekraft mit Inbrunst: "Bergkäse  - der gibt auch den würzigen Geschmack!" Als ich um Nennung der genauen Herkunft bitte, kommt erste Unsicherheit auf und der Großhändler Metro wird als Lieferant genannt. Beim dritten Anlauf erfahre ich, dass immerhin  "Schwarzwald" auf der Tüte stehe. So viel zur ausgewiesenen Regionalität...
Zwiebeln: die laut Karte "gebräunten Zwiebel" verströmen einen angenehm herzhaften Umami-Geschmack
Viskosität: suppig-sahnig
Beilage: offiziell keine, ich bestelle jedoch einen kleinen Beilagensalat dazu (vorkonfektionierte Fertigblattsalate, geraspelter Rettich und Möhre)
Zubereitungszeit: die Kässpätzle werden nach schnellen 10 Minuten von Servicekraft A kredenzt, während der Salat einige Minuten später von Servicekraft B geliefert wird
Abgang: leicht, keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassend
Preis: 7,90 Euro (Käserahmspätzle) plus 3,90 Euro (kleiner Salat)
Bewertung: Etwas mehr Individualität und Persönlichkeit könnten diesem schwäbischen Leibgericht nicht schaden. Bei der gepriesenen Regionalität (laut der "Schmeck-den-Süden"-Philosophie sollten diese Käsespätzle "ausschließlich aus Rohstoffen unserer Region" bestehen. Offenbar: "nachweislich und kontrolliert") kommen Zweifel auf. Das kann auch durch das bemühte Engagement der Servicekräfte nicht wettgemacht werden. 

Lokalität: Brauhaus Schönbuch - Stuttgart
Bolzstrasse 10
70173 Stuttgart
Tel.: 0711- 722 30 930
E-Mail: info@brauhaus-schoenbuch.de

Montag, 26. Dezember 2016

Tödliche Kässpätzle ***
















Stolz kann ich den Genuss von über 250 Portionen meines Lieblingsgerichtes verkünden, ohne gravierende Schäden an Leib oder Seele erlitten zu haben. Doch das ist nicht jedem vergönnt.

Der Oberschwaben-Krimi Kässpätzlesexitus lässt schon vom Titel her gastronomisches Ungemach erahnen, auch wenn das Buch-Cover noch appetitliche Gelüste hervorrufen mag. Im nunmehr fünften Band der Serie um den Hobby-Ermittler Daniel Bönle (nicht nur phonetisch ein Alter Ego des Saulgauer Autors Michael Boenke) geht es heiß her: Sechs illustre Mannschaften treten zum „Zweiten Traditionellen Königseggwalder Kässpätzlewettessen“ an. Darunter die Motorrad-Gang MIKEBOSS, die ihr jüngst verstorbenes Mitglied Butzi durch den ulkig schwäbelnden kenianischen Dorfpfarrer Deodonatus "Deo" Ngumbo ersetzt hat. Auch die Mitbewerberinnen der „Busty Biker Brides“ führen eine Nachbesetzung durch: aus der  Ersatzbank springt Chantal „Schanti“ Heberle ein, deren offenkundige Bulimie als beste Kampfesvoraussetzung gehandelt wird.

Als erst Schanti während des Kässpätzle-Wettessens erstickt und am Tag darauf die resolute Köchin Berta tot im Pasteurschrank der WalderBräu Brauerei aufgefunden wird, kann nicht mehr von unglücklichen Zufällen gesprochen werden. Anlass genug für verquere Verschwörungstheorien und dummes Dorfgetratsche. Bis schließlich ein Täter gefunden wird, muss dann noch sehr viel Bier, Benzin und „Birnenplörre“ fließen – und das gesamte schrullige Personal der Riedprovinz seinen Einsatz haben: angefangen vom stets volltrunkenen „Flaschen-Gordon“ bis zum gescheiterten Informatikstudenten „Kurzschluss-Kurte“.

Der Autor Michael Boenke scheut in diesem Roman weder offenkundiges Product Placement noch unverbrämtes Lokalkolorit (im wahrsten Wortsinne). Inwieweit der Krimi auch als Oberschwaben-Gastroführer verwendet werden kann, wird noch angetestet. Der Saulgauer Bohnenstengel stand auf jeden Fall schon lang auf meiner Wunschliste!

Michael Boenke: Kässpätzlesexitus.
Meßkirch: Gmeiner, 2015. 277 Seiten.
ISBN 978-3-8392-1662-0
14,99 Euro

Freitag, 25. November 2016

Nemme normal ****

















Beträchtlich die Zahl meiner Vorkoster, Tippgeber und affiliierter Spätzle-Acifionados. Manche Empfehlungen dümpeln tatsächlich bis zur Umsetzung einige Jahre dahin, doch gut abgehangen schmeckt selbst meine Leibspeise um so besser.

Zum Spätzleschwob entführt mich ein langjähriger Mitesser, dem ich regelmäßig mein Dessert im Tausch gegen habhaftere Speisenbestandteile angeboten habe. Aber in dieser urschwäbischen Wirtschaft bleibt heute jeder auf seinem Teller. Keine Schwierigkeit bei der Vielfalt verlockender Angebote zwischen Apfelstrudel und Zwiebelrostbraten.

Menge: selbst bei grossem Appetit vollkommen ausreichend
Spätzle: die als "Nemme normal" titulierten Chili-Spätzle dürften östlich von Mexiko absoluten Seltenheitswert haben
Käse: eine Mischung aus Emmentaler, Gouda und Bergkäse in geheim gehaltener Mixtur
Zwiebeln: die sind Nebensache angesichts einer imposant hochgereckten Peperoni
Viskosität: außen herrlich kross wie ein gut angebratenes Omelette, innen flaumig und weich
Beilage: grüne Blattsalate mit einer unverzichtbaren Alibi-Cocktailtomate
Zubereitungszeit: der Koch überschlägt sich selbst: obwohl die Küche erst um 17:30 öffnet, steht schon eine Viertelstunde später unser bestelltes Essen auf dem Tisch
Abgang: wohlig und wonnig - möglicherweise auch aufgrund eines digestiven Nussler von der Schwarzwaldbrennerei Scheibel
Preis: 11,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hoher Exotismus- und Prominenten-Faktor (am Nebentisch palavert tatsächlich Joe Bauer mit einem Flaneurskollegen). Charmanter Service. Volles Haus. Einzigartige Kässpätzle-Interpretation.

Lokalität: Zum Spätzleschwob
Vogelsangstrasse 50
70197 Stuttgart
Tel. 0711/636 31 89
E-Mail: info@zumspaetzleschwob.de

Montag, 14. November 2016

Heimat schmeckt schlonzig ***





Wie nahe Heim und Heimat beisammen liegen, lässt sich auf dem Stuttgarter Messeherbst derzeit mit Genuss erleben. Als ausgewiesenes Highlight der Messe "Familie und Heim" (12.11. - 20.11.2016) kann  zweifelsohne der Sonderbereich "Biosphärengebiet Schwäbische Alb" in Halle 8 gelten.

Neben touristischen Infos und einem ausgebauten Schäferwagen vom Hofgut Hopfenburg locken lukullische Spezialitäten von der Alb. So bietet der Münsinger Gasthof zum Ochsen leckere regionale Gerichte wie Linseneintopf von Ableisa, einen Hackfleischspieß im Albweizenweckle und sogar  Käsespätzle an. Alle Speisen werden vor den Augen des Publikums - sehr transparent und sympathisch freimütig - zubereitet. Das Essen können die Gäste dann im Biergarten-Flair geniessen, rund um den nachemfundenen Münsinger Dorfbrunnen in Halle 8.

Menge: mehr als ein Appetizer - diese Portion macht pappsatt
Spätzle: Knöpfle von Tress
Käse: eine erfolgreiche Trilogie von Bergkäse, Butterkäse und Emmentaler
Zwiebeln: crispy Röstzwiebeln
Viskosität: homogen schlonzig
Beilage: in den Messehallen keine - daheim in Münsingen steht jedoch fest: selbstverständlich werden die Käsespätzle mit einem Beilagensalat serviert!
Zubereitungszeit: dank geschickter Vorbereitung ratzfatz
Abgang: die rezente Würzigkeit des Bergkäses fordert ihren Tribut: glücklicherweise wird der Nachbarstand von der Ehinger Bergbrauerei bespielt
Preis: 5,00 Euro (auf der Messe) bzw. 9,50 Euro inklusive Beilagensalat (im Lokal in Münsigen)
Bewertung: Dem überaus engagierten, kundenorientierten Team ist die Freude am Kochen und an regionalen Produkten sichtlich anzumerken. In der mobilen Messeküche werden grundsolide regionale Speisen zu günstigen Preisen gezaubert. Das macht spontan Lust auf einen baldigen Besuch in Münsingen!

Lokalität: Gasthof zum Ochsen
Franzke Gastronomie
Hauptstrasse 196
72525 Münsingen-Auingen
Tel. 07381/93040
E-Mail: info@franzke-gastronomie.de

Auf der Stuttgarter Messe:
Messe "Familie& Heim"
Halle 8, Stand RNA
12.11. - 20.11.2016
täglich von 10 - 18 Uhr

Samstag, 15. Oktober 2016

München ist ein Bauchgefühl ****


















Jubiläum! Zu diesem besonderen Anlass scheuen wir weder Anfahrt noch Aufwand, weder Kosten noch Anreise. 250 verschiedene Kässpätzle-Portionen innerhalb von 7 Jahren - und das ohne ernsthafte Spätfolgen (naja, wenigstens keine weithin sichtbaren) - können als veritalbe Leistung gelten!

Prominent gegenüber des Hauptbahnhofes gelegen, erfülen die Münchner Stubn erfolgreich alle Kriterien, die sich ein auswärtiger Tourist für ein zünfiges bayrisches Wirtshaus ausmalt: uriges Interieur, trachtengewandete Servicekräfte und ein derart volles Haus, dass sich die drängenden Warteschlagen am Eingang bis zur Straße hinaus stauen. Drinnen finden interkulturelle Verbrüderungen bei kiloschweren Bierhumpen und fettglänzenden Bratwürsteln statt. Wenn das mal kein würdiges Szenario für diese Jubiläumsfeier abgibt!

Menge: selbst die extra erbetene kleine Portion ist kaum zu bewältigen
Spätzle: satte, fette, wohlgenährte Knöpfle
Käse: im Zweier-Mix steckt auf jeden Fall ein kräftiger Bergkäse
Zwiebeln: hausgemachte Röstzwiebeln mit extrem knackigem Biss
Viskosität: von sahnig-reichhaltiger Fülle
Beilage: offiziell keine, auf meinen Wunsch hin eine kleine Salatschüssel (die sich als üppig erweist) mit allem, was der Garten hergibt: spiralisierte Möhren und Rettich,  Gurken- und Tomatenscheiben, feine Zwiebelringe und einen herrlich schlonzigen Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: geschätzte 20 Minuten
Abgang: mächtig sättigend
Preis: 8,90 Euro (kleine Portion) / 11,90 Euro (normale Portion) + 5,20 für den gemischen Salat
Bewertung: Einer der Slogans des Restaurants trifft es auf den Punkt: "München ist ein Bauchgefühl"!!  So massig, so reichhaltig, so beeindruckend kräftig und deftig ist mir mein Leibgericht lange nicht mehr  serviert worden. Untergemengter Schnittlauch sorgt für die richtige Prise an Rafinesse.

Lokalität: Münchner Stubn
Bayerstrasse 35- 37
80335 München
Tel.: +49 89 / 55 11 13 330
E-Mail: servus@muenchner-stubn.de