Freitag, 25. November 2016

Nemme normal ****

















Beträchtlich die Zahl meiner Vorkoster, Tippgeber und affiliierter Spätzle-Acifionados. Manche Empfehlungen dümpeln tatsächlich bis zur Umsetzung einige Jahre dahin, doch gut abgehangen schmeckt selbst meine Leibspeise um so besser.

Zum Spätzleschwob entführt mich ein langjähriger Mitesser, dem ich regelmäßig mein Dessert im Tausch gegen habhaftere Speisenbestandteile angeboten habe. Aber in dieser urschwäbischen Wirtschaft bleibt heute jeder auf seinem Teller. Keine Schwierigkeit bei der Vielfalt verlockender Angebote zwischen Apfelstrudel und Zwiebelrostbraten.

Menge: selbst bei grossem Appetit vollkommen ausreichend
Spätzle: die als "Nemme normal" titulierten Chili-Spätzle dürften östlich von Mexiko absoluten Seltenheitswert haben
Käse: eine Mischung aus Emmentaler, Gouda und Bergkäse in geheim gehaltener Mixtur
Zwiebeln: die sind Nebensache angesichts einer imposant hochgereckten Peperoni
Viskosität: außen herrlich kross wie ein gut angebratenes Omelette, innen flaumig und weich
Beilage: grüne Blattsalate mit einer unverzichtbaren Alibi-Cocktailtomate
Zubereitungszeit: der Koch überschlägt sich selbst: obwohl die Küche erst um 17:30 öffnet, steht schon eine Viertelstunde später unser bestelltes Essen auf dem Tisch
Abgang: wohlig und wonnig - möglicherweise auch aufgrund eines digestiven Nussler von der Schwarzwaldbrennerei Scheibel
Preis: 11,80 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Hoher Exotismus- und Prominenten-Faktor (am Nebentisch palavert tatsächlich Joe Bauer mit einem Flaneurskollegen). Charmanter Service. Volles Haus. Einzigartige Kässpätzle-Interpretation.

Lokalität: Zum Spätzleschwob
Vogelsangstrasse 50
70197 Stuttgart
Tel. 0711/636 31 89
E-Mail: info@zumspaetzleschwob.de

Montag, 14. November 2016

Heimat schmeckt schlonzig ***





Wie nahe Heim und Heimat beisammen liegen, lässt sich auf dem Stuttgarter Messeherbst derzeit mit Genuss erleben. Als ausgewiesenes Highlight der Messe "Familie und Heim" (12.11. - 20.11.2016) kann  zweifelsohne der Sonderbereich "Biosphärengebiet Schwäbische Alb" in Halle 8 gelten.

Neben touristischen Infos und einem ausgebauten Schäferwagen vom Hofgut Hopfenburg locken lukullische Spezialitäten von der Alb. So bietet der Münsinger Gasthof zum Ochsen leckere regionale Gerichte wie Linseneintopf von Ableisa, einen Hackfleischspieß im Albweizenweckle und sogar  Käsespätzle an. Alle Speisen werden vor den Augen des Publikums - sehr transparent und sympathisch freimütig - zubereitet. Das Essen können die Gäste dann im Biergarten-Flair geniessen, rund um den nachemfundenen Münsinger Dorfbrunnen in Halle 8.

Menge: mehr als ein Appetizer - diese Portion macht pappsatt
Spätzle: Knöpfle von Tress
Käse: eine erfolgreiche Trilogie von Bergkäse, Butterkäse und Emmentaler
Zwiebeln: crispy Röstzwiebeln
Viskosität: homogen schlonzig
Beilage: in den Messehallen keine - daheim in Münsingen steht jedoch fest: selbstverständlich werden die Käsespätzle mit einem Beilagensalat serviert!
Zubereitungszeit: dank geschickter Vorbereitung ratzfatz
Abgang: die rezente Würzigkeit des Bergkäses fordert ihren Tribut: glücklicherweise wird der Nachbarstand von der Ehinger Bergbrauerei bespielt
Preis: 5,00 Euro (auf der Messe) bzw. 9,50 Euro inklusive Beilagensalat (im Lokal in Münsigen)
Bewertung: Dem überaus engagierten, kundenorientierten Team ist die Freude am Kochen und an regionalen Produkten sichtlich anzumerken. In der mobilen Messeküche werden grundsolide regionale Speisen zu günstigen Preisen gezaubert. Das macht spontan Lust auf einen baldigen Besuch in Münsingen!

Lokalität: Gasthof zum Ochsen
Franzke Gastronomie
Hauptstrasse 196
72525 Münsingen-Auingen
Tel. 07381/93040
E-Mail: info@franzke-gastronomie.de

Auf der Stuttgarter Messe:
Messe "Familie& Heim"
Halle 8, Stand RNA
12.11. - 20.11.2016
täglich von 10 - 18 Uhr

Samstag, 15. Oktober 2016

München ist ein Bauchgefühl ****


















Jubiläum! Zu diesem besonderen Anlass scheuen wir weder Anfahrt noch Aufwand, weder Kosten noch Anreise. 250 verschiedene Kässpätzle-Portionen innerhalb von 7 Jahren - und das ohne ernsthafte Spätfolgen (naja, wenigstens keine weithin sichtbaren) - können als veritalbe Leistung gelten!

Prominent gegenüber des Hauptbahnhofes gelegen, erfülen die Münchner Stubn erfolgreich alle Kriterien, die sich ein auswärtiger Tourist für ein zünfiges bayrisches Wirtshaus ausmalt: uriges Interieur, trachtengewandete Servicekräfte und ein derart volles Haus, dass sich die drängenden Warteschlagen am Eingang bis zur Straße hinaus stauen. Drinnen finden interkulturelle Verbrüderungen bei kiloschweren Bierhumpen und fettglänzenden Bratwürsteln statt. Wenn das mal kein würdiges Szenario für diese Jubiläumsfeier abgibt!

Menge: selbst die extra erbetene kleine Portion ist kaum zu bewältigen
Spätzle: satte, fette, wohlgenährte Knöpfle
Käse: im Zweier-Mix steckt auf jeden Fall ein kräftiger Bergkäse
Zwiebeln: hausgemachte Röstzwiebeln mit extrem knackigem Biss
Viskosität: von sahnig-reichhaltiger Fülle
Beilage: offiziell keine, auf meinen Wunsch hin eine kleine Salatschüssel (die sich als üppig erweist) mit allem, was der Garten hergibt: spiralisierte Möhren und Rettich,  Gurken- und Tomatenscheiben, feine Zwiebelringe und einen herrlich schlonzigen Kartoffelsalat
Zubereitungszeit: geschätzte 20 Minuten
Abgang: mächtig sättigend
Preis: 8,90 Euro (kleine Portion) / 11,90 Euro (normale Portion) + 5,20 für den gemischen Salat
Bewertung: Einer der Slogans des Restaurants trifft es auf den Punkt: "München ist ein Bauchgefühl"!!  So massig, so reichhaltig, so beeindruckend kräftig und deftig ist mir mein Leibgericht lange nicht mehr  serviert worden. Untergemengter Schnittlauch sorgt für die richtige Prise an Rafinesse.

Lokalität: Münchner Stubn
Bayerstrasse 35- 37
80335 München
Tel.: +49 89 / 55 11 13 330
E-Mail: servus@muenchner-stubn.de

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Mehr Ambiente als Aroma ***

 
















Das derzeitge Lichtkunstfestival verleitet zum Besuch von Orten, in die man sich sonst wohl kaum verirren würde - wie zum Beispiel Gerlingen. In der Dunkelheit leuchtet die örtliche Weinstube im Wengert verlockend wie ein Knusperhäuschen. Tatsächlich ist das uralte Fachwerkhaus liebevoll restauriert, geschmackvoll ausstaffiert und dezent illuminiert.

Gastraum und Küche sind eins, so dass man mitten im Gebrutzel und dem Gelärme sitzt, leider auch in dessen Gerüchen. Die Speisekarte weist hauptsächlich schwäbische Gerichte auf, die erstaunlich schnell und mit professioneller Routine auf den Tisch gebracht werden. Trotz des urigen Ambientes beschleicht uns das vage Gefühl eines latenten Mangels.


Menge: fast alle Speisen können in zweierlei Größen geordert werden; meine kleine Portion ist leider relativ überschaubar
Spätzle: habhaft und vollschlank
Käse: laut Aussage des Hauses Bergkäse, den wir jedoch deutlich aromatischer kennen
Zwiebeln: fielen uns gar nicht auf
Viskosität: ziemlich smooth
Beilage:der großzügige Beilagensalat mit allem Drum und Dran wird von reichlich frischer Kresse gekrönt - leider entspricht d bei der Kartoffelsalat nicht im ehesten den Erwartungen an den schwäbischen Klassiker: zu hart, zu unschlonzig, zu wenig Brühe (wenn überhaupt)
Zubereitungszeit: eine relativ kurze Viertelstunde, da wir noch die ersten Gäste des Abends sind
Abgang: leicht und rasch verflogen
Preis: günstige 7,50 Euro für die kleine Portion (inkl. Beilagensalat)
Bewertung: Das urige Ambiente und die freundliche Präsentation der Speisen täuschen erfolgreich über mangelndes Aroma hinweg.

Lokalität: Weinstube im Wengert
Hauptstr. 41
70839 Gerlingen
Tel.: (07156) 280 11

Freitag, 23. September 2016

Götterdämmerung *

















Wieso sollte man Hunderte von Kilometern im Stau stecken, in fremde Bundesländer vordringen und das Mühsal anstrengender Reisen auf sich nehmen, wenn man zünftiges Bayern-Feeling direkt vor der Haustüre haben kann? Quasi ein ganzjähriges Oktoberfest? Und das noch verbunden mit einem herzergreifenden Blick auf den Rhein und die vorübergleitenden Schiffe?

Dachte man sich wohl im malerischen Ort Götterswickerhamm. Zimmerte eine urige Holzhütte neben die Minigolfanlage der Rheinwacht, verzichtete auf Küche und Toiletten und steckte das Service-Personal in dirndelige Outfits.

Menge: passt in einen hohlen Zahn
Spätzle: die größte Leistung war wohl, eine Tüte Fertigspätzle aufzuschneiden
Käse: sieht nach einer kaum geschmolzenen Scheibe Scheiblettenkäse aus
Zwiebeln: was die Karte experimentell als Schmorzwiebeln ausweist, entpuppt sich als sauerkrautige Anmutung
Viskosität: so trocken und unhandlich, dass uns die lauwarmen Fertigspätzle permanent von der Gabel purzeln
Beilage: der Beilagensalat glänzt als einziger Bestandteil dieses Gerichts mit rudimentärem Geschmack: dank des zuckrigen Salatdressings und der Tomatenviertel, die keinen weiten Anfahrtsweg aus Holland hatten
Zubereitungszeit: so kurz, dass nicht mal die Mikrowelle aufheizen konnte
Abgang: denselbigen machen wir möglichst zügig
Preis: geradezu unverschämte 9,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Wohl die schlechtesten Kässpätzle seit der Geschichtsschreibung dieses Blogs. Auf jeden Fall die schlechtesten westlich des Sauerlandes. Den einzigen Stern vergeben wir gnädig aufgrund des sensationellen Ausblicks auf den Rhein.

Lokalität: Rheinwacht
Urweisse-Hütte
Dammstr. 46
46562 Voerde
Telefon: 02855 30 61 63
E-Mail: info@rheinwacht.com

Samstag, 17. September 2016

Alte Bekannte, neue Kombinationen **

















Alle Jahre wieder: der Tag des Schwäbischen Waldes. Schon in der Vergangenheit lockte uns dieser willkommene Anlass zu den einen oder anderen (oder noch ganz anderen) Kässpätzle-Variationen. Letztendlich auch mal wieder zu einem Gewinn.

Dieses Mal trauen wir uns nicht nach Trauzenbach, dafür schmausen wir in Hohenbrach. Hier fühlen wir uns fast schon zuhause, denn familiäre Querverweise führen zu den erstaunlichsten Verquickungen. Wenn wir es recht bedenken, sind wir wahrscheinlich alle irgendwie miteinander verwandt...


Menge: auch wenn man es erst nicht glauben mag: diese Portion hat es in sich!
Spätzle: obwohl wir diese makellosen Teigwaren eher der Firma Albgold zugeschrieben hätten, benennt die Partonin ihren Ehemann Bernd als alleinigen Erzeuger (mit einem Dutzend Eier auf einem Kilogramm Mehl).

Käse: Gouda mit Parmesan
Zwiebeln: eher in Spurenelementen vorhanden
Viskosität: geschmeidig
Beilage: der Beilagensalat kommt gefällig mit Blattsalaten, Möhre, Kraut und einer Cocktailtomate daher
Zubereitungszeit: irgendwann zwischen der Bestellung am frühen Nachmittag und dem termingerechten Auftragen am frühen Abend
Abgang: meine Neigung, stets den Teller leer zu essen, wird mir zum Verhängnis...
Preis: 8,50 Euro (inklusive Beilagensalat)
Bewertung: Alte Bekannte (die Alibi-Cocktailtomate) treffen auf neue Kombinationen (der seltene Mix aus Gouda und Parmesan ist uns in den vergangenen 7 Jahren erst ein einziges Mal begegnet).

Lokalität: Gasthof Pension Tannenhof
Hohenbrach 23
71577  Großerlach-Hohenbrach
Tel.  07903/ 571
E-Mail: muellertannenhof@t-online.de 

Dienstag, 6. September 2016

Pfännle, Park und Pflücksalat ***


















Von vergangenen Urlauben schwärmend und über die anstehende Obsternte grübelnd, sitzen wir im familiären Kreise beisammen und lassen uns genüsslich die ganze Bandbreite der hiesigen Kulinaria auftischen: leichten Fisch, deftiges Fleisch und unweigerlich Vegetarisches. Entspannter könnte ein Abend kaum verlaufen...

So relaxed, dass wir fast das Ende der Öffnungszeiten aus den Augen verlieren. Kaum daheim, sinken wir satt und zufrieden sofort ins Bett.

Menge: so viel, wie in ein gusseisernes Pfännle passt
Spätzle: wohlgeformt
Käse: ein Küchengeheimnis - der freundliche Ober verrät jedoch, dass wohl ein Greyezer mit im Spiel ist
Zwiebeln: knusprig frittierte Zwiebelstreifen als Topping
Viskosität: angenehm soft
Beilage: ein vielfältiger Beilagensalat mit leichten Blatt- und Pflücksalaten, feinen Gurkenscheiben, rezentem Kartoffelsalat und Tomaten-Deko
Zubereitungszeit: die kaum wahrgenommene Wartezeit wird mit gemischten Hors d´Oeuvres ganz angenehm verkürzt: feine Leberpastete, frische Shrimps, gebratene Aubergine und knackige Paprikastreifen
Abgang: würzig und einen leichten nächtlichen Durst erzeugend

Preis: 9,50 Euro (inklusive gemischtem Beilagensalat)
Bewertung: Klassische Variante, im brutzelnd heissem Pfännle serviert - ganz, wie ich es mag!

Lokalität: Parkrestaurant
Schillerstraße 23/2
71065 Sindelfingen
Tel. +49 (0) 70 31 / 81 24 09

Email : info@parkrestaurant-sindelfingen.de